« Zurück zur Übersicht


Beiträge ForumMedizin

Darmkrebs vorbeugen bzw. durch frühzeitiges Erkennen effizient behandeln


Dr. Kreissl und Dr. Feder

Ebersberg, März 2012 – Bereits zum 11. Mal steht der März in ganz Deutschland im Zeichen der Darmkrebsvorsorge. Unter dem Motto "...aus Liebe zur Vorsorge" engagieren sich in diesem Jahr erneut Ärzte, Gesundheitsorganisationen und Politiker wie Schirrmherr und Gesundheitsminister Daniel Bahr für die Darmkrebsvorsorge. Das ist auch wichtig, denn rechtzeitig erkannt, ist Darmkrebs zu einem hohen Prozentsatz heilbar. Dr. Peter Kreissl, ärztlicher Leiter des Darmzentrums in der Kreisklinik Ebersberg, und Zentrumsleiter Dr. Gerhard Feder, über Prävention und moderne Behandlungsmethoden.

Können wir Krebserkrankungen überhaupt vorbeugen?
Dr. Feder: Ja. Die Wahrscheinlichkeit, zum Beispiel an Magen- oder Darmkrebs zu erkranken, lässt sich um bis zu 30 Prozent verringern: mit einer konsequent mediterranen Ernährung, d. h. ballaststoffreich mit Obst und Gemüse, Fisch und wenig rotem, mehr weißem Fleisch. Lungenkrebs ist in 80% der Fälle durch Rauchen bedingt. Auch für die Entstehung von Kehlkopf-, Speiseröhren- und Bauchspeicheldrüsenkrebs spielt Zigaretten- und übermäßiger Alkoholkonsum eine ganz entscheidende Rolle.

Braucht es dann den Hinweis auf die Krebsvorsorge wirklich?
Dr. Kreissl: Unbedingt, denn je früher gerade der Darmkrebs erkannt wird, desto größer sind die Chancen auf komplette Heilung. Aber auch alle anderen Krebsvorsorgen sind immens wichtig, leider nimmt sie nach unserer Schätzung aber nur rund jeder Fünfte wahr.

Warum gehen so wenige Menschen zur Vorsorge?
Dr. Feder: Verdrängung und Ängste spielen eine große Rolle, manchmal falsches Schamgefühl. Dabei ist die Durchführung einer Darmspiegelung inzwischen nicht mehr wirklich unangenehm. Die Spüllösungen schmecken inzwischen annehmbar, die Patienten befinden sich auf Wunsch während der Untersuchung in einem entspannten Dämmerschlaf. Bescheid zu wissen über den eigenen Gesundheitszustand erleichtert auch enorm.

Ab 50 wird der Stuhlbluttest, ab 55 die Darmspiegelung empfohlen. Wann ist eine frühere Untersuchung nötig?
Dr. Feder: Immer dann, wenn die Familienanamnese für eine genetische Veranlagung spricht, d. h. bei einem an Magen-Darm-Krebs erkrankten Angehörigen unter 50 oder bei mehreren Angehörigen auch über 50. Hier ist eine Darmspiegelung in manchen Fällen schon ab dem frühen Erwachsenenalter zu empfehlen, häufig zusätzlich auch eine genetische Abklärung zur genauen Risikoabschätzung. Grundsätzlich noch zum Stellenwert der Darmspiegelung: Wir können damit bereits Vorstufen von Darmkrebs erkennen und entfernen. Damit wollen wir die Krebsentstehung bereits im Ansatz verhindern und nicht erst fortgeschrittene Tumore entdecken, die bereits zu Symptomen wie allgemeiner Schwäche, Müdigkeit, Bauchschmerzen oder Blutungen geführt haben.

Wann muss operiert werden?
Dr. Kreissl: Polypen, die sich ja zu bösartigem Darmkrebs entwickeln können, entfernen wir sofort bei der Darmspiegelung, wenn ihre Lage es zulässt. Wenn dies nicht der Fall ist, kommen wir um einen operativen Eingriff nicht herum.

Operation

Angst vor dem Eingriff ist heutzutage nicht mehr nötig, oder?
Dr. Kreissl: Nein, wir behandeln so behutsam wie möglich. Minimal-invasive Eingriffe, in ausgewählten Fällen auch nur über eine kleine Körperöffnung ("Single-Port-Technik") und das so genannte Fast-Track-Konzept mit einem rückenmarksnahen Katheter bedeuten für den Patienten eine schnellere Rückkehr zu normalen Körperfunktionen und damit in den Alltag.

Wie geht es nach der Operation weiter?
Dr. Kreissl: Das hängt von Ausdehnung und Lage des Tumors ab. Wir besprechen jeden Fall in unserer interdisziplinären Tumorkonferenz. Sie entscheidet streng nach den Leitlinien der Deutschen Krebsgesellschaft. Allein gelassen wird kein Patient. Auf Wunsch bietet unsere Psycho-Onkologin jede nötige Unterstützung in dieser schwierigen Lebensphase. Fachübergreifende Therapie und Begleitung sind unsere oberste Maximen, dazu gehört selbstverständlich auch die ausführliche Aufklärung der Patienten zu jedem Zeitpunkt.


» Zum Darmzentrum
© 2019
Impressum     Datenschutz