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Bauchwand- und Leistenbrüche nicht unterschätzen!


Chirurgen der Kreisklinik Ebersberg raten zur frühzeitigen Operation

Bauchwand- und Leistenbrüche nicht unterschätzen
V. li.: Dr. Herold und Dr. Kreissl zeigen ein Kunststoffnetz, das bei Bauchwandbrüchen eingesetzt wird. Foto: kk/sf

Ebersberg, November 2018 – Meist beginnt es mit einer Art Beule am Bauch oder in der Leiste. Wird diese im Lauf der Zeit größer oder gar schmerzhaft, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Denn ohne Behandlung kann es zu einem lebensbedrohlichen Darmverschluss kommen. Über Ursachen, Risiken und Therapiemöglichkeiten sprachen wir mit dem Chefarzt der Allgemein-, Visceral- und Gefäßchirurgie in der Kreisklinik Ebersberg, Dr. Peter Kreissl, und Oberarzt Dr. Stefan Herold. Die Abteilung trägt seit 2013 das Siegel „Qualitätsgesicherte Hernienchirurgie“ der Deutschen Hernien Gesellschaft.

Wodurch entstehen Bauchwandbrüche?
Dr. Kreissl: Sie können verschiedene Ursachen haben, je nach Art des Bruches. Es gibt Narbenbrüche, die aufgrund einer nicht oder nur teilweise verheilten Bauchdecke nach einer Operation entstehen. Durch diese Schwachstelle, auch Bruchpforte genannt, kann sich der Darm schieben, der dann das Bauchfell ausstülpt und einen Bruchsack bildet, den Betroffene als Beule wahrnehmen. Die typischen Schwachstellen der Bauchwand finden sich jedoch am Nabel und in der Leiste. Durch einen erhöhten Bauchinnendruck, z. B. bei Übergewicht oder in der Schwangerschaft, sowie bei zunehmender Bindegewebsschwäche im Alter kann ein Bruch ausgelöst werden. Schweres Tragen kann zwar begünstigend wirken, ist aber nicht die Ursache.

Gibt es außer der tastbaren Vorwölbung noch andere Symptome?
Dr. Herold: Wenn sich der Bruch vergrößert, treten meist lokale Schmerzen auf. Kommen Übelkeit und Erbrechen hinzu, sind das bereits Anzeichen für einen Darmverschluss oder eine Bauchfellentzündung. Dann sollte man unverzüglich in die nächste Notaufnahme fahren.

Wie kann es zu diesen schweren Folgen kommen?
Dr. Herold: Wird der Darm durch den Bruch eingeklemmt, kommt es zu Durchblutungsstörungen der Darmwand bis hin zum Absterben von Teilen des Darms. Außerdem kann sich der Darminhalt in den Bauchraum entleeren, was eine Bauchfellentzündung zur Folge hat. Damit es gar nicht erst zu solchen lebensbedrohlichen Situationen kommt, raten wir, größer werdende Brüche rechtzeitig operieren zu lassen.

Welches Verfahren wird dafür angewendet?
Dr. Kreissl: Das ist davon abhängig, um welche Art von Bruch es sich handelt, wie alt der Patient ist und welche Risikofaktoren bestehen. Letztlich spielt auch die Expertise des Arztes eine wichtige Rolle. In der Kreisklinik Ebersberg führen wir ca. 600 Bruchoperationen pro Jahr durch. Wir haben uns insbesondere auf minimal-invasive Techniken spezialisiert. Das heißt, durch drei kleine Schnitte werden die Operationsinstrumente eingeführt und ein Kunststoffnetz über die Bruchlücken gelegt und befestigt. Die Alternative hierzu sind die klassisch offenen Operationsverfahren. Hier wird die Bruchlücke entweder mit körpereigenem Gewebe oder auch durch eine Netzimplantation verschlossen.

Was sind die Vor- und Nachteile der verschiedenen Verfahren?
Dr. Kreissl: Für jeden Patienten bedarf es immer eines individuellen Konzeptes. Das Einsetzen eines Kunststoffnetzes bei Leistenbrüchen wird von der Europäischen Herniengesellschaft bei Patienten über 30 Jahren empfohlen, da ab diesem Alter das Bindegewebe schwächer wird und verstärkt werden sollte. Das Auftreten von erneuten Brüchen wird durch das Netz ebenfalls deutlich reduziert. Bei jüngeren Patienten mit kräftigem Bindegewebe ist der Verschluss mit körpereigenem Gewebe eine gute Option, zumal die OP auch ambulant durchgeführt werden kann. In der Kreisklinik steht dafür das Ambulante Operationszentrum zur Verfügung. Bei der minimal-invasiven Technik haben die Patienten nach der OP in der Regel weniger Schmerzen, sie erholen sich rascher und können sich auch bald wieder normal körperlich belasten.

Kann man einem Bauchwandbruch vorbeugen?
Dr. Herold: Das ist schwierig, denn wie schon gesagt, ist die Ursache meist eine genetisch bedingte Bindegewebsschwäche. Betroffene können jedoch verhindern, dass der Bruch lebensbedrohlich wird. Kleine Brüche sollten beobachtet werden. Lässt sich die Vorwölbung nicht mehr zurückschieben: unbedingt in die Klinik kommen! Am besten ist es, frühzeitig eine Operation zu planen. Je kleiner der Bruch, desto unkomplizierter ist der Eingriff und die Patienten können schon wenige Tage danach in ihren normalen Alltag zurückkehren.

Das Gespräch führte Sybille Föll


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