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Interview: Aortenaneurysma kann zur „Bombe im Bauch“ werden

Die Bauchschlagader, auch Bauchaorta, versorgt den unteren Körper, also beispielsweise die Beine und Organe wie die Nieren und den Darm, mit sauerstoffreichem Blut. Sie ist das größte Blutgefäß im Bauchraum. Doch sie kann sich erweitern und im schlimmsten Fall reißen. Dr. Heiko Wendorff, Chefarzt der Abteilung Gefäßchirurgie & Gefäßmedizin des Klinikums Ebersberg München Ost vergleicht die Gefahr mit einer Bombe im Bauch. Im Gespräch erklärt er Risikofaktoren, Möglichkeiten der Früherkennung und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Patientengespräch Dr. Heiko Wendorff

Chefarzt Dr. Heiko Wendorff hält am 9. September einen Vortrag über Aortenaneurysmen.

Sie sprechen von einem Aneurysma der Bauchschlagader von einer Bombe im Bauch. Was sind schlimmstenfalls seine Folgen?

Dr. Heiko Wendorff:Im schlimmsten Fall führt ein Aneurysma der Bauchschlagader dazu, dass sie platzt. Das ist ein absoluter medizinischer Notfall, der sofort versorgt werden muss. Die Patienten könnten innerlich verbluten, es besteht akute Lebensgefahr. Ein geplatztes Aortenaneurysma zu versorgen, ist nicht in jeder Klinik möglich. Wir können das hier im Klinikum Ebersberg München Ost. Wir in der Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin können Aneurysmen aber auch zusammen mit dem Team der Radiologie behandeln, bevor sie reißen.

Haben die Betroffenen zuvor durch Aneurysmen der Bauchschlagader Beschwerden, die aufhorchen lassen?

Dr. Wendorff: Das Gefährliche ist, dass die meisten Menschen zuvor nichts spüren. Das Aneurysma wächst oft über Jahre unbemerkt. Ab einer bestimmten Größe steigt das Risiko, dass die Bauchschlagader reißt. Deswegen ziehe ich den vergleich mit der Bombe im Bauch, nicht um Angst zu machen. Es ist mir wichtig aufzuklären, welche Möglichkeiten es gibt, diesen schlimmsten, möglichen Fall zu verhindern.

Gibt es Vorsorgeuntersuchungen?

Dr. Wendorff: Die wichtigste Untersuchung ist der Ultraschall, der nicht wehtut, schnell ist, keine Strahlenbelastung mit sich bringt und sehr zuverlässig ist. Bei Männern ab 65 Jahren gibt es in Deutschland eine einmalige Ultraschall-Früherkennung der Bauchschlagader als Kassenleistung. Leider wird dieses Angebot noch viel zu selten genutzt. Dabei kann genau diese einfache Untersuchung im richtigen Moment Leben retten.

Niemand sollte mit Angst vor einem Aneurysma leben. Man sollte wissen, dass es diese Erkrankung gibt — und dass sie gut erkannt und in vielen Fällen sehr gut behandelt werden kann. Besonders Männer über 65 und Menschen mit Gefäßrisikofaktoren sollten ihren Hausarzt oder ihre Hausärztin gezielt auf die Ultraschalluntersuchung der Bauchschlagader ansprechen. Früherkennung ist hier der entscheidende Punkt.

Sind Männer denn besonders gefährdet?

Dr. Wendorff: Ja, eben insbesondere Männer ab 65 Jahren. Wer raucht, Bluthochdruck hat, erhöhte Blutfettwerte oder Gefäßverkalkung, lebt mit zusätzlichen Risikofaktoren. Manchmal gibt es auch eine familiäre Häufung. Aber auch Frauen können betroffen sein, insbesondere bei entsprechenden Risikofaktoren. Mir ist wichtig, ganz deutlich zu machen: Wer zur Risikogruppe gehört, sollte das Thema nicht verdrängen, sondern die Vorsorgeuntersuchung in Anspruch nehmen. 

Muss jedes Aneurysma der Bauchschlagader behandelt werden?

Dr. Wendorff: Das hängt vor allem von der Größe, der Wachstumsgeschwindigkeit und der individuellen Situation des Patienten ab. Kleine Aneurysmen werden regelmäßig kontrolliert. Wird ein kritischer Durchmesser erreicht oder wächst das Aneurysma rasch, sollte eine Behandlung geplant werden, bevor es zu einem Riss kommt. Ziel ist immer, rechtzeitig und kontrolliert zu handeln — nicht erst im Notfall.

Wenn Sie behandeln müssen, wie gehen Sie vor, um das Reißen zu verhindern?

Dr. Wendorff: Früher war meist eine große offene Operation notwendig. Heute können viele Aneurysmen minimalinvasiv behandelt werden. Dabei wird über die Leistengefäße eine Gefäßprothese, ein sogenannter Stentgraft, in die Bauchschlagader eingebracht. Das Verfahren nennt man EVAR, Endovascular Aneurysm Repair. Es ist für viele Patientinnen und Patienten deutlich schonender als eine offene Operation. Dennoch braucht es immer eine individuelle Entscheidung: Nicht jedes Aneurysma ist gleich, und nicht jede Anatomie eignet sich für jedes Verfahren.

 

Chefarzt Dr. Heiko Wendorff hält am Mittwoch, 9. September, einen Vortrag mit dem Titel: Aortenaneurysma – Die Bombe im Bauch: Schlagadererweiterung entschärfenBeginn ist um 18 Uhr im Speisesaal des Klinikums Ebersberg München Ost. Eine Voranmeldung ist nicht nötig.