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Chefarzt-Gespräche: Vorhofflimmern erkennen und handeln

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung in Deutschland. Etwa 1,5 bis 2 Millionen Menschen sind davon betroffen. Prof. Martin Schmidt, Chefarzt der Kardiologie des Klinikums Ebersberg München Ost, erklärt, wie es sich bemerkbar macht und warum es behandelt werden sollte. In Vorträgen am 9. November im Rahmen der Herzwochen 2026 der Deutschen Herzstiftung informiert er mit seinem Team umfassend zum Thema.

Prof. Martin Schmidt, Chefarzt der Kardiologie des Klinikums Ebersberg München Ost, hält am 9. November einen Vortrag über Vorhofflimmern im Rahmen der Herzwochen 2026.

Prof. Martin Schmidt, Chefarzt der Kardiologie des Klinikums Ebersberg München Ost, hält am 9. November 2026 einen Vortrag über Vorhofflimmern im Rahmen der Herzwochen 2026.

Was ist Vorhofflimmern eigentlich?

Prof. Martin Schmidt:  Es ist die Herzrhythmusstörung, die weltweit am häufigsten vorkommt. Etwa 2 Millionen Menschen in Deutschland haben heute mit Vorhofflimmern zu tun. Und die Prognosen gehen davon aus, dass es 2050 bis 2060 etwa doppelt so viele sein werden. Denn Vorhofflimmern tritt hauptsächlich im mittleren und hohen Alter auf. 

Vereinfacht lässt sich Vorhofflimmern so erklären: Bei Vorhofflimmern entstehen in den Vorhöfen mehrere elektrische Impulse gleichzeitig. Statt eines geordneten Signals aus dem Impulsgeber im Herzen, dem Sinusknoten, kommt es zu einem elektrischen Durcheinander. Die Folge ist, dass die Vorhöfe nicht mehr richtig arbeiten, weil sie sich nicht mehr aktiv zusammenziehen können. Das Blut fließt passiv durch sie hindurch, sie pumpen 20 bis 30 Prozent weniger. Die Betroffenen merken das meist anhand eines Leistungsabfalls. 

Aus kardiologischer Sicht droht eine sehr viel gefährlichere Folge des Vorhofflimmerns, oder?

Prof. Schmidt: Auf längere Sicht kann ein Schlaganfall die Folge sein. Bei etwa einem Drittel der Schlaganfälle ist Vorhofflimmern verantwortlich. Wenn wir genauer betrachten, was die geringere Leistung der Vorhöfe verursacht und welche Folgen das hat, wird auch klar, warum. 

Im rechten Vorhof liegt der Sinusknoten, der durch elektrische Impulse den Takt des Herzens vorgibt. Beim Vorhofflimmern leiten aus den Lungenvenen elektrische Impulse in den linken Vorhof, die den Rhythmus stören. Außerdem gibt es den Atrioventrikularknoten, kurz: AV-Knoten. Er liegt anatomisch zwischen den beiden Vorhöfen und Herzkammern und steuert in einem gesunden Herz die Impulsweiterleitung an die Herzkammern. 

Beim Vorhofflimmern empfängt der AV-Knoten unkoordinierte, chaotische Signale und gibt diese unregelmäßig an die Kammern weiter. Dies wird vom Patienten als Herzrhythmusstörung empfunden, das Herz kommt aus dem Takt. Es pumpt nicht mehr richtig, wodurch das Blut langsamer fließt. In einem Teil des linken Vorhofs, dem Vorhofohr, staut es sich sogar. So bilden sich leichter Blutgerinsel, die, wenn sie ins Gehirn gespült werden, einen Schlaganfall auslösen können. 

Wie können Ärzte Vorhofflimmern diagnostizieren, bevor es so schwerwiegende Folgen hat?

Prof. Schmidt: Grundsätzlich sollten Menschen mit Herzrhythmusstörungen das nicht einfach abtun. Bei Herzrasen, Unruhe, Druck auf der Brust, einer Herzfrequenz die sich häufig ändert, Problemen beim Treppensteigen oder beim Sport, sollte man einen Arzt zu Rate ziehen. Vorhofflimmern können Ärztinnen und Ärzte in einem EKG erkennen. Es passiert auch immer häufiger, dass Menschen von ihrer Smartwatch den Hinweis bekommen, dass die Messwerte auf Vorhofflimmern hindeuten und dann ihre Ärztin oder ihren Arzt aufsuchen.

Manchmal leben Menschen über Jahre mit Vorhofflimmern. Dabei wissen wir aus der Forschung, dass eine möglichst frühe Behandlung die negativen Folgen vermeiden kann. Wenn Vorhofflimmern neu auftritt, sollte man es möglichst zeitnah beenden. Denn je häufiger es auftritt, desto schwächer werden die Vorhöfe.

Wie kann Vorhofflimmern behandelt werden?

Prof. Schmidt: Die Basis der Behandlung ist eine Blutverdünnung nach dem individuellen Risiko für einen Schlaganfall. Für die Rhythmusbehandlung gibt es spezielle Rhythmus-wirksame Medikamente. In Studien hat sich allerdings gezeigt, dass eine sogenannte Ablation effektiver ist als Medikamente. Der Eingriff hat im Vergleich zu Medikamenten zudem weniger Nebenwirkungen. 

Das Ziel dabei ist, die Lungenvenen zu isolieren und deren „falsche“ Impulse zu unterdrücken. Wir können das durch eine Ablation, also Verödung mit verschiedenen Energieformen erreichen: Kälte, Radio-Frequenz, also Hitze über elektromagnetische Wellen, oder der neueren PFA-Methode (Puls Field Ablation). Diese Methode verwendet ultrakurze, hochenergetische elektrische Impulse. Wir bieten alle drei Methoden bei uns im Klinikum Ebersberg München Ost an. Der Vorteil der PFA ist, dass sie umgebendes Gewebe, beispielsweise der Speiseröhre, nicht schädigt, weil ihre Effekte spezifisch an den Herzmuskelzellen wirken.

Bei einzelnen Betroffenen mit langsamer Herzfrequenz, bei bereits lange bestehendem Vorhofflimmern, kommt auch ein Herzschrittmacher in Frage.

 

Prof. Martin Schmidt, Chefarzt der Kardiologie des Klinikums Ebersberg München Ost, spricht am 9. November ab 18 Uhr über Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten. Die Veranstaltung findet im Speisesaal des Klinikums statt. Eine Voranmeldung ist nicht nötig.