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Innovative Operationstechnik hilft bei Sinus Pilonidalis

Der Leidensdruck für die Betroffenen ist bei Sinus Pilonidalis sehr hoch, die Diagnose vergleichsweise einfach zu stellen. Aber die teils sehr invasiven, also mit großen Wundflächen einhergehenden, Behandlungsmethoden für die Erkrankung, die auch Steißbeinfistel genannt wird, fanden Dr. Alexander Gratz, Chefarzt der Abteilung Allgemeine & Spezielle Viszeralchirurgie des Klinikums Ebersberg München Ost, und Funktionsoberärztin Dr. Teodora Stambolieva nicht erfolgversprechend, um Patienten dauerhaft zu helfen. Jetzt wenden sie innovative, minimal-invasive Operationsmethoden an.

Dr. Alexander Gratz und Dr. Teodora Stambolieva

Chefarzt Dr. Alexander Gratz und Funktionsoberärztin Dr. Teodora Stambolieva wenden minimal-invasive Operationsmethoden an, um Patienten mit Sinus Pilonidalis zu helfen.

Wie äußert sich Sinus Pilonidalis, auch Steißbeinfistel, genannt?

Dr. Alexander Gratz: Es ist eine erworbene, entzündliche Erkrankung der Haut und Unterhaut in der Gesäßfalte oder im Bereich des Steißbeins. Diese Stelle empfinden die Betroffenen als unangenehm und sie schämen sich. Langwierige Verläufe sind besonders belastend und schambehaftet, weil übelriechendes Sekret und Eiter aus den Wunden austreten können und natürlich auch Schmerzen auftreten können. Sinus Pilonidalis kann akut oder chronisch verlaufen.

Dr. Teodora Stambolieva: Uns ist wichtig, zu betonen, dass das nicht durch zu wenig Körperhygiene ausgelöst wird. Das ist ein häufiges Vorurteil.

Wie entsteht die Steißbeinfistel tatsächlich?

Dr. Stambolieva: Der Name Sinus Pilonidalis kommt aus dem Lateinischen: pilus, das Haar, nidus, das Nest. Herabfallende, scharfe Schnitthaare gelangen in den Bereich des Steißbeins oder der Gesäßfalte und dringen durch Reibung in die Haut ein. Das löst eine entzündliche Reaktion in der Unterhaut aus und es können fuchsbauartige Gänge bzw. Hohlräume unter der Haut entstehen, sogar schmerzhafte Abszesse. 

Dr. Gratz: Besonders häufig sind übrigens junge Männer betroffen. Sie stehen gerade am Anfang ihrer Ausbildung, ihrer beruflichen Karriere oder einer Beziehung. Für sie ist das eine wirklich belastende Erkrankung. Wir sehen solche Patienten sehr häufig im Klinikum. Sie haben dann meistens bereits einen langen Leidensweg hinter sich. 

Wie stellen Sie die Diagnose?

Dr. Gratz: Es ist eine Blickdiagnose. Typisch sind kleine Öffnungen, sogenannte Pits, in der Gesäßfalte. Je nach Stadium tritt Eiter oder Blut aus, die Bereiche sind geschwollen, gerötet. Bildet sich ein Abszess, kann auch Fieber auftreten. Von alleine verheilt das leider nicht.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Dr. Stambolieva: Das hängt ganz vom Stadium ab. Verursacht der Sinus Pilonidalis keine Beschwerden, ist auch keine Therapie nötig. Anders sieht es aus, wenn eine akute Abszessbildung vorliegt. Der Abszess muss so bald wie möglich geöffnet und drainiert werden. Manchmal hilft das den Betroffenen bereits. 

Dr. Gratz: Bei der chronischen Form sieht das anders aus. Wenn Abszesse und Beschwerden immer wieder auftreten, wird während der entzündungsfreien Zeit operiert. Je nach Größe, Ausprägung und Lage wenden wir bevorzugt minimal-invasive Verfahren an, beispielsweise das Pit-Picking. Dabei werden nur die winzigen Hautöffnungen, die Pits, minimal ausgeschnitten und die Gänge unter der Haut gereinigt. Das schont das Gewebe und sorgt für eine schnelle Heilung. Wir können die meisten Betroffenen in Lokalanästhesie operieren und sie können noch am selben Tag nach Hause, in der Regel ohne dass eine zusätzliche Krankschreibung notwendig ist. Bei fortgeschrittenen Befunden sind manchmal auch größere Eingriffe notwendig. 

Was unterscheidet sie vom bisherigen Vorgehen?

Dr. Stambolieva: Bislang ging man davon aus, dass die Abszesse und Pits großzügig aus dem Gewebe entfernt werden müssen. Aber die Wundheilung war bei vielen Betroffenen langwierig oder gar nicht möglich. Es gab eine hohe Rückfallquote. Ich habe mir deshalb gedacht: Das kann doch nicht alles sein, was wir für die Patienten tun können! Gemeinsam mit Dr. Gratz haben wir erfolgversprechendere, minimal-invasive OP-Methoden gesucht. In der Regel benötigen die Patienten keine Vollnarkose und werden mit wenigen Ausnahmen ambulant operiert. 

Dr. Gratz: Der Hauptunterschied ist, dass die sogenannte Exzision des erkrankten Gewebes, also das Entfernen, so sparsam wie möglich sein sollte. Anders als flächendeckend gelehrt, und an den meisten Kliniken üblich. Man kann diese Prozedur auch wiederholen, somit bleibt der Heilungsverlauf für die Betroffenen so wenig belastend wie nur möglich, bei sehr hoher Erfolgsquote!