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Lokale Lyse: Lungenembolie schonender behandeln

Die Zahl, der Menschen, die jedes Jahr in Deutschland an einer Lungenembolie sterben, liegt laut Deutscher Lungenstiftung schätzungsweise bei 20.000 bis 30.000. Die Ursache ist meistens ein Blutgerinsel aus einer tiefen Beinvene, das sich löst, in Richtung Herz wandert, und ein Lungengefäß verstopft. Im Klinikum Ebersberg München Ost behandeln Prof. Martin Schmidt, Chefarzt der Kardiologie, und sein Team Menschen mit Lungenembolie. Seit Kurzem verwenden sie eine schonendere Methode, die mehr Menschen helfen kann – insbesondere mit schweren Lungenembolien: die lokale Lyse.

Prof. Dr. Martin Schmidt, Chefarzt der Kardiologie des Klinikums Ebersberg München Ost.

Prof. Martin Schmidt, Chefarzt der Kardiologie des Klinikums Ebersberg München Ost, sieht in der lokalen Lyse Vorteile für Patientinnen und Patienten mit schwerer Lungenembolie.

Was ist eine schwere Lungenembolie?

Prof. Martin Schmidt: In einem Satz ist eine Lungenembolie eine Verengung einer oder mehrerer Lungenarterien. Ursache ist ein Blutgerinsel. Sie zu erkennen, ist nicht so einfach. Die Symptome sind denen eines akuten Herzinfarktes ähnlich: Herzrasen, Schwindel, stechende Brustschmerzen und plötzliche Atemnot beispielsweise. In schweren Fällen verlieren Menschen auch das Bewusstsein. Der Körper wird nicht mehr mit ausreichend Sauerstoff versorgt. 

Etwa fünf bis zehn Prozent der Menschen mit schwerer Lungenembolie versterben. Neben Herzinfarkt und Schlaganfall ist die Lungenembolie die häufigste Herz-Kreislauf-Erkrankung.

 

Wie konnte eine Lungenembolie bisher behandelt werden? 

Schmidt: Bislang waren eine systemische Lyse bei der schwersten Form mit Blutdruckabfall und die Behandlung mit oralen Blutverdünnern bei weniger schweren Fällen die gängigen Behandlungsmethoden bei der Lungenembolie. Bei der systemischen Lyse bekommen die Patientinnen und Patienten intravenös ein Medikament injiziert. Es löst Thrombosen und hemmt die Blutgerinnung. Das Blut kann besser fließen, der Körper wieder besser mit Sauerstoff versorgt werden. 

Bei der systemischen Lyse erreicht das Medikament den gesamten Körper. Das heißt: Es wirkt nicht nur direkt an der verengten Lungenarterie. Dadurch hat die systemische Lyse auch ein relevantes Blutungsrisiko. Auch schwerwiegende Hirnblutungen sind eine seltenere Komplikationsmöglichkeit.

 

Wie sieht die lokale Lyse aus, die Methode, die Sie und Ihr Team in der Ebersberger Kardiologie nun verwenden?

Schmidt: Dabei ist das Ziel, das Blutgerinsel direkt vor Ort in der Lungenstrombahn aufzulösen. Im Herzkatheterlabor wird dafür zunächst ein Katheter über die Leiste in die Lungenstrombahn eingeführt. Im Anschluss wird der Patient oder die Patientin auf die Intensivstation zur Überwachung verlegt. Hier erhalten die Betroffenen über einen Zeitraum von sechs Stunden das Lyse-Medikament direkt in das Blutgerinsel des Lungengefäßes. Es wird über Poren des im Herzkatheter in die verstopfte Lungenarterie gelegten Schlauchs verabreicht. 

 

Das hört sich so an, als könnten Sie und Ihr Team so schlicht schneller direkt zum Blutgerinsel vordringen. Gibt es noch weitere Vorteile der lokalen Lyse?

Schmidt: Die Dosis des Medikaments kann auf drei bis sechs Prozent einer systemischen Lyse reduziert werden. Ein weiterer Vorteil liegt in einer spezifischeren Wirkung und gleichzeitig deutlich niedrigeren Blutungsgefahr. Wir können mehr Menschen frühzeitig helfen. Studien zeigen Vorteile der Lokaltherapie. Wir können mit ihr mehr Menschen mit schwereren Formen der Lungenembolie helfen und die Betroffenen erholen sich schneller und besser als mit der reinen Blutverdünner-Behandlung.