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Weltlebertag: Gemeinsam für eine gesunde Leber

Die Chefärzte des Klinikums Ebersberg München Ost (von links) Prof. Dr. Thomas Bernatik (Innere Medizin/Gastroenterologie), Dr. Alexander Gratz (Allgemeine und Spezielle Viszeralchirurgie) und Dr. Marco Heinz (Diagnostische und interventionelle Radiologie)
Welche Stoffe setzen der Leber besonders zu?
Prof. Dr. Bernatik: Da gibt es vor allem zwei große Risikofaktoren: Alkohol und unsere moderne, oft zucker- und fettreiche Ernährung. Hinzu kommen Übergewicht, Bewegungsmangel und auch bestimmte Medikamente, die bei langfristiger Einnahme die Leber belasten können. Nicht zu vergessen sind Virusinfektionen wie Hepatitis, die weltweit eine wichtige Rolle spielen.
Was können die Folgen sein?
Prof. Dr. Bernatik: Das Tückische ist, dass die Leber lange „still leidet“. Anfangs entwickelt sich häufig eine Fettleber, die noch reversibel ist. Bleibt die Schädigung bestehen, kann daraus eine chronische Entzündung entstehen, später eine Fibrose und schließlich eine Leberzirrhose. Das bedeutet, dass das Organ immer schlechter funktioniert, da sein Gewebe immer mehr durch funktionsloses Narbengewebe ersetzt wird. In diesem Stadium steigt auch das Risiko für Leberkrebs deutlich an.
Wie diagnostiziert man diese Erkrankungen?
Dr. Heinz: Man beginnt meist mit einfachen Mitteln: Blutwerte und Ultraschall geben oft schon wichtige Hinweise. Bei Auffälligkeiten setzen wir ergänzend auf Schnittbildverfahren wie CT und MRT sowie auf Kontrastmittel-verstärkte Ultraschalluntersuchungen beziehungsweise Steifigkeitsmessungen. In speziellen Fällen ist eine gezielte Leberbiopsie notwendig, um eine Diagnose zu sichern oder den Schweregrad genau zu bestimmen. Diese kann ultraschallgestützt oder auch in der CT erfolgen. Eine frühzeitige Diagnose ist der Schlüssel, um dauerhafte Leberschäden noch aufhalten zu können.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Lebertumoren?
Prof. Dr. Bernatik: Die Therapie ist heute sehr differenziert und hängt von vielen Faktoren ab. Die meisten Tumore der Leber sind zum Glück gutartig. Sie bedürfen meist keiner Therapie oder sollten lediglich – wie z.B. bei großen Leberhämangiomen – regelmäßig kontrolliert werden. Liegt die Diagnose eines bösartigen Lebertumors vor, so gibt es hier je nach Art und Größe des Tumors standardisierte internationale Therapieempfehlungen. Das vorrangige Ziel ist dann die vollständige Entfernung des Tumorgewebes.
Dr. Gratz: Hierfür stehen uns die konventionelle offene Operation, minimalinvasive Operationsverfahren, insbesondere die roboter-assistierten Eingriffe (DaVinci Xi) und die lokalen Ablationen durch Mikrowellen- und Radiofrequenzsonden zur Verfügung. Gerade durch minimalinvasive Techniken können wir noch präziser, noch gewebeschonender und für unsere Patienten weniger belastend vorgehen, als mit konventionellen Methoden. Das hat unseren Therapiehorizont immens erweitert. Es stehen uns aber auch weitere Verfahren wie die interventionelle Katheter-unterstützte lokale Chemoembolisation über die Leiste oder systemisch wirkende Medikamente zur Verfügung und in ausgewählten Fällen kann auch die Strahlentherapie sinnvoll sein.
Dr. Heinz: All diese Therapieoptionen bieten wir am Klinikum an und nicht selten kommen sie auch kombiniert bei der Behandlung bösartiger Lebertumore zum Einsatz.
Wie wird über die beste Therapie entschieden?
Dr. Gratz: Das ist häufig eine sehr individuelle Entscheidung. Wir besprechen jeden Fall interdisziplinär im Tumorboard – gemeinsam mit Onkologen, Radiologen, Gastroenterologen, Strahlentherapeuten und weiteren Fachdisziplinen. Entscheidend sind dabei nicht nur Größe und Lage des Tumors, sondern auch die Funktion der Leber und der Allgemeinzustand des Patienten. Die beste Therapie entsteht im Team – und wird auf den einzelnen Patienten zugeschnitten.
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