Diagnose Vorhofflimmern – eine Patientengeschichte




Elektrophysiologische Herzkatheteruntersuchung und Katheterablation

 
» Grundsätzliches zur Katheterablation
» Herzrhythmusstörungen des Vorhofs
» AVNRT
» Akzessorische Leitungsbahn/WPW-Syndrom
» „Typisches“ Vorhofflattern
» Vorhofflimmern
» Anfallsweises „paroxysmales“ Vorhofflimmern
» Anhaltendes „persistierendes“ Vorhofflimmern
» Vorhofflimmern: Verschluss des linken Vorhofohres
» Rhythmusstörungen der Herzkammer
» Kammertachykardie bei Erkrankungen des Herzmuskels

Elektrophysiologische Herzkatheteruntersuchung und Katheterablation

 

Grundsätzliches zur Katheterablation


Die kardiologische Abteilung verfügt über ein speziell für die Diagnostik und Therapie von Herzrhythmusstörungen ausgestattetes Herzkatheterlabor, das EPU-Labor. EPU steht für „elektrophysiologische Untersuchung“. Unser EPU-Labor ist mit einer Angiografie-Plattform auf höchstem technischem Niveau ausgestattet, dem Philips Azurion.

Durch umfangreiche Softwarelösungen stehen den Ärzten alle Patienten-Informationen schneller und übersichtlicher zur Verfügung. Außerdem ist die neue Anlage deutlich strahlungsärmer. Alle heute behandelbaren schnellen Herzrhythmusstörungen (Tachykardien) können wir im EPU-Labor durch Verödung (Katheterablation) therapieren.

Eine spezielle Expertise besteht für Ablationssbehandlung bei Vorhofflimmern. Sowohl die Verödung mit Kälte (Kryoballon) als auch Hitze (Verwendung von 3D-Mapping System) kommen zum Einsatz. Zudem werden im EPU-Labor Vorhofohr-Occluder, Herzschrittmacher, ICD und komplexe 3-Kammer-Systeme (CRT) implantiert..

Alle Prozeduren werden in einer sogenannten Analgo-Sedierung durchgeführt. Das heißt, dass die Patienten während der Katheteruntersuchung und Ablation „schlafen“ und keine Schmerzen wahrnehmen. Da diese leichte Form der "Narkose" hauptsächlich zur Abschirmung der Patienten von der Prozedur während der Untersuchungszeit (in der Regel zwischen 1 und maximal 4 Stunden) dient, hat der Patient während der gesamten Prozedur eine Spontanatmung (wie bei einem nächtlichen Schlaf) und muss nicht künstlich beatmet werden wie bei einer Vollnarkose. Während der gesamten Untersuchungszeit werden die Vitalparameter wie Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung, Blutdruck und ggf. Blutgase kontrolliert.

Zusätzlich zur Sedierung wird die Leiste örtlich betäubt. Bei den meisten Untersuchungen können die notwendigen Katheter von einer Seite über die Leistengefäße ins Herz vorgeschoben werden. In der Regel werden drei verschiedene Katheter benötigt. Bei komplexeren Prozeduren werden zusätzliche Katheter benötigt, die dann über beide Leisten im Herzen platziert werden.

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Herzrhythmusstörungen des Vorhofs


Routinemäßig werden alle Formen von Herzrhythmusstörungen behandelt, bei denen der zugrundeliegende Mechanismus auf umschriebene Ursachen zurückzuführen ist. In der Regel kommt hier die sogenannte „Radiofrequenzablation“ zur Anwendung, durch die gezielt die Ursachen der Rhythmusstörungen bzw. wichtige leitende Strukturen verödet werden können. Ziel ist immer ein kurativer Therapieansatz, sodass die Patienten nach der Behandlung keine Rhythmus-spezifischen Medikamente mehr einnehmen müssen. Die Erfolgsraten der Katheter-Behandlung bei diesen Herzrhythmusstörungen liegen zwischen 95-99%.

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AVNRT


Die AV-Knoten Kreiserregung (sog. AVNRT, engl. AV-Nodal Reentry Tachycardia) ist die häufigste der regelmäßigen Tachykardien mit schmalem QRS-Komplex im EKG. Sie entwickelt sich meist nach dem 30. Lebensjahr. Die Behandlung durch Ablation ist die Therapie der ersten Wahl mit sehr hoher Erfolgsrate. Eine EKG-Dokumentation ist wünschenswert. Sollten aber mehrfache Versuche, ein EKG aufzuzeichnen, misslingen, kann auch direkt eine elektrophysiologische Untersuchung stattfinden. Das Vorgehen besprechen wir mit Ihnen in der Rhythmussprechstunde.

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Akzessorische Leitungsbahn/WPW-Syndrom


Akzessorische Leitungsbahnen zeigen sich teilweise im Ruhe-EKG. In Verbindung mit Rhythmusstörungen werden diese auch als WPW-Syndrom (nach Wolff, Parkinson und White als Erstbeschreiber) bezeichnet. In Verbindung mit Vorhofflimmern kann WPW auch zu Kammerflimmern führen, weshalb eine Ablation in den meisten Fällen auch im höheren Alter sinnvoll ist.

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„Typisches“ Vorhofflattern


Das sogenannte „typische“ oder „gewöhnliche; engl. Common-type“ Vorhofflattern ist eine Kreiserregung im rechten Vorhof. Diese kann durch eine kleine Verödungslinie unterbrochen werden. Wichtig ist, dass ein typisches EKG aufgezeichnet wurde. Die Ablation kann auch kurzfristig in der Ebersberger Klinik erfolgen.

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Vorhofflimmern


Ein Schwerpunkt der Abteilung ist die Katheterablation von Vorhofflimmern. Die Isolation der Lungenvenen vom linken Vorhof stellt bei Patienten mit paroxysmalem (anfallsartigem) Vorhofflimmern die Standardmethode dar und wird in unserer Abteilung mit unterschiedlichen thermischen Energieformen (Verödung des Gewebes durch Kälte durch den „Kryoballon“ oder durch Hitze durch „Radiofrequenzablation“) als Routineverfahren angeboten.

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Anfallsweises „paroxysmales“ Vorhofflimmern


Bei Patienten mit paroxysmalem Vorhofflimmern (der Form, die immer von selbst wieder aufhört und anfallsartig auftritt) liegt die Erfolgsrate mit einem Eingriff bei etwa 70%. Häufigstes Problem ist die elektrische Leitungserholung der zuvor isolierten Pulmonalvenen. Die Erfolgsrate kann aber durch einen 2. Eingriff auf bis zu 85% erhöht werden. Der Ersteingriff wird bei uns in aller Regel mit Hilfe des „Kryoballons“ durchgeführt. Das Verfahren hat sich im Vergleich zur Radiofrequenzablation als sicherer für die Patienten bei mindestens vergleichbarer Erfolgsrate erwiesen. Dies insbesondere durch die Weiterentwicklung des „Kryoballons“ mit weiter verbesserten technischen Eigenschaften. Dieser sogenannte „Zweitgenerationsballon“ kommt bei uns grundsätzlich bei allen Patienten zum Einsatz.

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Anhaltendes „persistierendes“ Vorhofflimmern


Einige Patienten haben aber trotz der Pulmonalvenenisolation ein Fortschreiten des Vorhofflimmerns oder von anderen, Vorhofflimmern verursachenden Erkrankungen. Dann kann das paroxysmale Vorhofflimmern auch in anhaltende Formen übergehen. Zur Behandlung von Triggern und Ursachen, die über die Lungenvenen als Ursache des Vorhofflimmerns hinausgehen, verwenden wir zur Steuerung der Radiofrequenzablation ein 3-dimensionales Mapping-System. Dadurch kann neben der genaueren Steuerung des Ablationskatheteres auch die Röntgenstrahlung für unsere Patienten reduziert werden.

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Vorhofflimmern: Verschluss des linken Vorhofohres


Bei Vorhofflimmern kann das Blut in den beiden Vorhöfen des Herzens stagnieren und es können sich Blutgerinnsel in einem Bereich bilden, der Vorhofohr oder auch Herzohr genannt wird. Jeder Mensch hat ein linkes Vorhofohr. Es ist ungefähr so groß wie der Daumen. Wenn sich ein Blutgerinnsel bildet, erhöht sich das Risiko für einen Schlaganfall erheblich. Zur Prophylaxe müssen fast alle Patienten mit Vorhofflimmern gerinnungshemmende Medikamente wie Marcumar einnehmen. Ziel der Behandlung mit dem Verschluss des linken Vorhofohres ist, dass der Patient trotz des Vorhofflimmerns langfristig auf blutverdünnende Medikamente verzichten kann. Bei verschlossenem linken Vorhofohr können Blutgerinnsel diesen Bereich nicht mehr verlassen.

Ein Vorhofohr-Occluder (eine Art Abdeckung) kann über einen durch eine Vene im Oberschenkel eingeführten flexiblen Schlauch (Katheter) in das Herz eingeführt werden. Sobald der Katheter richtig im linken Vorhof liegt, werden Aufnahmen (Röntgen, Echokardiographie) vom Herzen gemacht, damit das linke Vorhofohr richtig vermessen werden kann. Diese Vermessung ist für die Größe des zu verwendenden Occluders ausschlaggebend. Nachdem das Implantat eingesetzt wurde, werden weitere Messungen und Aufnahmen durchgeführt, um sicherzustellen, dass sich das System an der richtigen Stelle befindet. Sobald die optimale Position gefunden wurde, wird das System freigesetzt um es dauerhaft im Herzen zu implantieren. Anschließend erfolgt eine Überwachung für mindestens eine Nacht und eine Kontrolle mit Herzultraschall. Die Heilung des Herzgewebes dauert etwa 45 Tage. Wichtig ist, dass die Patienten während dieser Zeit weiterhin blutverdünnende Medikamente (z. B. Marcumar) und eine Aspirin-Tablette täglich einnehmen. Anschließend kann nach einer Ultraschallkontrolle auf die blutverdünnenden Medikamente verzichtet werden.

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Rhythmusstörungen der Herzkammer
Kammerextrasystolen, Ausflusstrakttachykardie


Gutartige Extrasystolen und Tachykardien aus dem Ausflusstrakt des rechten oder linken Herzens können für manche Patienten sehr unangenehm sein. Durch gezielte Abgabe von Radiofrequenzenergie am jeweiligen Ursprungsort der Rhythmusstörung können diese Formen der Kammerrhythmusstörung abhängig von der Lokalisation des Ursprungs mit hoher Erfolgsrate behandelt werden.

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Kammertachykardie bei Erkrankungen des Herzmuskels


Patienten, die einen früheren Herzinfarkt hatten und aufgrund der Narbe im Herzmuskel eine verminderte Pumpleistung haben, benötigen zur Verhinderung des plötzlichen Herztodes durch bösartige Kammerrhythmusstörungen einen sogenannten implantierbaren Defibrillator (ICD). Bei Patienten, die wegen immer wieder auftretender Kammertachykardien häufige Schockabgaben oder Stimulationstherapien (ATP) haben, sollte auch eine Katheterablation der Kammertachykardie in Erwägung gezogen werden. Durch diese Behandlung kann das Auftreten dieser Kammertachykardien oft beseitigt, mindestens deutlich reduziert werden.

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