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"Wenn nichts mehr zu machen ist, gibt es noch viel zu tun"
Palliativmedizinerinnen der Kreisklinik Ebersberg helfen ganzheitlich


Palliativmedizinerinnen der Kreisklinik Ebersberg helfen ganzheitlich
Dr. Anna Bresele, Dr. Barbara Eßer und Chefarzt Dr. Hans Schneider,
der die Palliativstation seit 2003 leitet.


Ebersberg, November 2012 – "Wenn nichts mehr zu machen ist, gibt es noch viel zu tun", sagen Dr. Anna Bresele, Fachärztin für Anästhesie und Palliativmedizin, und Dr. Barbara Eßer, Fachärztin für Innere Medizin und Palliativmedizin. Die Medizinerinnen der Palliativstation und ihr Team begleiten Patienten und deren Angehörige einfühlsam und ganzheitlich in dieser schwierigen Lebensphase.

Frage: Wie erleben Sie Ihre Patienten, wenn sie auf die Palliativstation kommen?

Dr. Bresele: Viele sind verunsichert und fürchten, dass sie bald sterben müssen, wenn sie zu uns kommen. Unser Ziel ist es jedoch, beschwerliche Symptome soweit zu verbessern, dass wir die Patienten oft mit verbesserter Lebensqualität wieder nach Hause entlassen können.

Frage: Das hört sich gut, aber zugleich auch schwierig an. Was schafft die Palliativmedizin das?
Dr. Bresele: Wir behandeln medikamentös die Symptome wie Schmerzen, Übelkeit, Appetitlosigkeit oder Atemnot. Gleichzeitig versuchen wir psychosoziale Belastungen, die sich durch die schwere Erkrankung meist automatisch ergeben, zu erkennen und die Familien zu unterstützen.

Frage: Wie viele Patienten betreuen Sie auf der Palliativstation?
Dr. Bresele: Wir verfügen über acht Einzelzimmer. Sie sind hell, geräumig und von uns liebevoll ausgestattet. Gerne genutzt wird auch die Übernachtungsmöglichkeit für Angehörige. Die dadurch oft entstehende Vertrauensbasis macht es Patienten und Angehörigen leichter, Ängste bezüglich der Erkrankung zu äußern.

Frage: Angst vor Schmerzen?
Dr. Bresele: Ja, aber auch vor Atemnot, vor Ersticken oder Verhungern. Hier können wir heute mehr denn je helfen. Patienten und Angehörige lernen bei uns mit "Notfallmedikamenten" und Entspannungstechniken wie zum Beispiel Atemübungen umzugehen. Sie merken, dass es hilft, und verlieren zunehmend die Angst vor den Symptomen. Bei der Entlassung nach Hause bekommt jeder einen genauen Medikamenten- und Behandlungsplan mit.

Frage: Sie beziehen die Angehörigen also intensiv ein?
Dr. Eßer: Auf jeden Fall. Angehörige leiden oft genauso wie der Kranke und fühlen sich sehr hilflos. Oft herrscht eine gewisse Sprachlosigkeit. Jeder möchte den anderen schonen und nicht über die Krankheit sprechen. Dann sind Patient und Angehörige allein mit ihren Fragen und Befürchtungen. Deshalb versuchen wir manchmal behutsam zu helfen, das Gespräch über das, was beide Teile am meisten bewegt, zu ermöglichen. Aber natürlich nur, soweit es die Betroffenen wünschen.

Frage: Ist das nicht schwer: zu erkennen, was Patienten und Angehörige wünschen?
Dr. Eßer: Das geht nur über das persönliche Gespräch. Oft ist es ja so, dass der kranke Mensch, wenn er von seiner Diagnose erfährt, große Angst hat und nur noch ans Ende denkt. Wir versuchen, mit ihm zusammen den Blick zu wenden und auf das Leben zu schauen. Er hat ja noch eine Zeit. Wir möchten helfen, dass er aus dieser noch gegebenen Lebenszeit das Beste machen kann. Das Ziel der Palliativmedizin ist nicht mehr die Heilung der Krankheit, weil das nicht mehr möglich ist, aber das bestmögliche Leben mit der Krankheit.

Frage: Sie sprachen vorhin von der Zeit nach der Palliativstation. Können Sie sagen, wie viele Menschen Sie wieder entlassen? Und was passiert danach?
Dr. Bresele: Etwa die Hälfte unserer Patienten können wir mit individuellen Empfehlungen zur Weiterbehandlung durch den Hausarzt wieder entlassen. Aktuell unterstützen wir außerdem den Aufbau einer spezialisierten ambulanten Palliativversorgung, auch SAPV genannt. Hier ist insbesondere Chefarzt Dr. Schneider aktiv, für den es eine ethische Grundforderung ist, dass wir Mediziner unseren Teil tun, damit die letztverbleibende Lebenszeit eine würdevolle sein kann.


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