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Weil auch der letzte Lebensabschnitt ein lohnenswerter ist


Der Chefarzt Innere Medizin, Dr. Hans Schneider, einer der Gründungsväter der Palliativstation, über Anfänge und Entwicklung der seit 10 Jahren bestehenden Abteilung.

Dr. Hans Schneider
Der Palliativstation der Kreisklinik Ebersberg gehört auch nach 10 Jahren noch die ganz spezielle Aufmerksamkeit von Chefarzt Dr. Hans Schneider.

Die Tür zur Palliativstation öffnet sich nach Druck auf den Türöffner und gibt einen Blick frei, den man in einer Klinik nicht unbedingt erwartet: Vorn eine Sitzgruppe mit warm leuchtender Duftschale und einem CD-Player, aus dem leise, ruhige Musik ertönt. Vor dem Fenster mit seinen pastellgrünen Vorhängen lädt ein Sessel zum Ausruhen ein. Sind wir wirklich in der Kreisklinik Ebersberg?

Auch für Chefarzt Schneider ist die heuer zehn Jahre bestehende Palliativstation, sein „Patenkind“, noch immer etwas Besonderes, das täglich eine ganz spezielle Sensibilität erfordert.

„Sehr viele Menschen schätzen unsere Station, aber bevor wir entscheiden, einen Patienten palliativmedizinisch zu behandeln, müssen wir die Heilungsmöglichkeiten für ihn umfassend ausgelotet haben.“ Es sei jedes Mal eine Entscheidung von großer Tragweite, wann Heiltherapien enden und die ärztliche Tätigkeit sich darauf beschränkt, Symptome zu lindern.

Sensibilität, genau hinzuschauen und zuzuhören, hat der Onkologe in seiner früheren, langen Tätigkeit auf der Infektions- und Isolierstation des Klinikums Karlsruhe gelernt. „Dort betreuten wir unter anderem viele junge Menschen, die von schwerwiegenden akuten Leukämien betroffen waren – so etwas prägt.“

Als er 1996 nach Ebersberg kam, lagen ihm deshalb zwei Dinge besonders am Herzen: Patienten, die Chemotherapien brauchen, sollten nicht mehr woanders hinfahren müssen und diejenigen, die ihren letzten Weg gehen, sollten Erleichterung erhalten, eine Möglichkeit, diesen Lebensabschnitt bewusst und in Würde zu erleben.

Zehn Jahre Palliativmedizin haben laut Schneider die medizinische Arbeit in der Kreisklinik insgesamt verändert. „Heute kann man es sich ja gar nicht mehr vorstellen, wie das Thema früher tabuisiert wurde“, erinnert sich der Arzt, „in der Klinik wurde scheinbar nicht gestorben, was natürlich paradox war und Hilfsmöglichkeiten von vornherein ausschloss.“

Der Mediziner fand Unterstützung in seinem ehemaligen Chefarztkollegen Oskar Bergauer, der - inzwischen im Ruhestand - den Hospizverein leitete und sich für die Palliativversorgung stark machte.

„Ganz zu Anfang hatten wir keinen eigenen Bereich. Palliativpatienten wurden auf der Normalstation versorgt. Dann, 2003, kam mit zwei speziell ausgestatteten Einzelzimmern endlich der Durchbruch, wenngleich immer noch auf einer Normalstation mit ihrem alle Beteiligten fordernden Tagesablauf. Trotzdem waren die zwei Palliativzimmer der eigentliche, richtige Anfang und ein riesiger Fortschritt“, so Schneider.

Mit den Palliativmedizinerinnen Dr. Barbara Eßer und Dr. Anna Bresele wurden zwei engagierte, empathische Spezialistinnen gewonnen und die langjährige Stationsleiterin Paula Rimpfl achtet von Beginn an mit Argusaugen auf ihr Pflegeteam sowie darauf, dass jeder Patienten- und Angehörigenwunsch aufgenommen und, soweit irgend möglich, auch erfüllt wird.

Die Erweiterung der Station auf acht Betten und der Umzug in den heutigen eigenen Bereich schufen dafür optimale Voraussetzungen.

„Das Team hat hier auf der Station – oft mit Spenden aus der Bevölkerung - Großartiges geschaffen, zum Beispiel ein warmes Farbkonzept umgesetzt, so dass man medizinisch gut aufgehoben ist, ohne das sterile Klinikweiß um sich zu haben“, lobt Schneider. Und tatsächlich: Wer den Aufenthaltsraum, liebevoll „Wohnzimmer“ genannt, betritt, findet sich in einem Energie spendenden Orange wieder und richtet den Blick unwillkürlich auf das riesige Aquarium, in dem schillernde Fische ruhig ihre Kreise ziehen.

Wie sind die Zukunftsvisionen für die Palliativversorgung? Was die Klinik betrifft, so der Chefarzt, müsse man realistisch sein. Das Niveau sei inzwischen derart hoch, dass es schon ein Erfolg sei, wenn man es auf dem Niveau stabilisieren könne. Eine permanente Aufgabe sei die Qualifizierung der jungen Ärzte, insbesondere in der Inneren Medizin. „Wir nehmen sie jeden Freitag mit zur Visite auf die Palliativstation, so dass sie Sicherheit entwickeln können, welchem ihrer Patienten das Palliativkonzept am besten helfen kann.“

Stolz ist Hans Schneider, dass nun auch das gemeinsame Engagement für die ambulante Palliativbetreuung belohnt wird: Ab November gibt es neben der Klinikversorgung auch ambulante Betreuungsangebote im Landkreis. „Unsere Palliativstation ist ja kein Hospiz“, erläutert Schneider, „viele unserer Patienten gehen, medikamentös stabilisiert, wieder nach Hause oder in ihr Pflegeheim – da ist es wichtig, dass die Verbesserungen in der Lebensqualität erhalten werden können. Schmerzen in der Sterbephase – das muss heute nicht mehr zwangsläufig so sein.“

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