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Wieviel Schönheit darf es sein?


Chancen und Risiken von korrigierenden Brustoperationen

Dr. Falter

Dass auch Frauen mit Krebs schön sein können, zeigt das kürzlich erschienene Buch „Jung. Schön. Krebs“ (Irisiana Verlag). Es widmet sich nicht nur Make-up, Perücken und Co, sondern auch dem Thema Brustkrebs. Denn die häufigste Angst betroffener Patientinnen ist: Muss meine Brust entfernt werden? Verliere ich dadurch meine Weiblichkeit, meine Attraktivität als Frau? Ein Beitrag zu dem Kapitel von Dr. Christian Metz, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie an der Kreisklinik Ebersberg, macht Mut: Zum einen wird heutzutage in 80 Prozent der Fälle brusterhaltend therapiert, zum anderen gibt es viele Möglichkeiten, die Brust wiederherzustellen. Den medizinischen Fortschritt nutzen auch immer mehr gesunde Frauen, um attraktiver zu wirken, sei es durch Verkleinerung, Vergrößerung oder Straffung der Brust. Segen oder unterschätztes Risiko? Wir befragten Dr. Erwin Falter, Chefarzt Plastische, Ästhetische Chirurgie und Handchirurgie der Kreisklinik Ebersberg.

Dr. Falter, Medienberichten zufolge begeben sich immer mehr Frauen „unters Messer“, um einem bestimmten Schönheitsideal zu entsprechen, sogar junge Mädchen. Stimmt das?
Die berühmte „Brust-OP zum 16. Geburtstag“ ist meiner Einschätzung nach ein Ammenmärchen. Statistiken zufolge sind nur 1,3 Prozent der Patienten in der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie unter 18 Jahren, davon lassen 87 Prozent Ohrkorrekturen vornehmen. Bei Erwachsenen ist die Zahl der „Schönheitsoperationen“ in den letzten Jahren tatsächlich gestiegen, Brustvergrößerungen bei Frauen zählen hier zu den beliebtesten Eingriffen. Es ist jedoch eine Illusion zu glauben, dass sich durch eine Brustvergrößerung oder -verkleinerung das Leben ändert. Ich bin sehr kritisch und wir sprechen auch lange mit den Frauen. Es muss ein hoher Leidensdruck vorhanden sein, bevor wir den Eingriff empfehlen, schließlich reden wir hier von einer Operation und nicht dem Kauf einer neuen Handtasche. Es gibt zwei Aufklärungsgespräche, zwischen denen mindestens zwei Wochen Zeit liegen müssen.

Welche Risiken sind mit einer korrigierenden Brustoperation verbunden?
Es kommt auf den Ausgangsbefund und das Verfahren an. Eine Brustvergrößerung wird in der Regel durch das Einsetzen eines Implantats unter den vorhandenen Drüsenkörper oder unter dem Brustmuskel erreicht. Neben den allgemeinen Operationsrisiken wie Nachblutung und Wundinfektion, kann es bei Implantaten zur Kapselfibrose kommen, das heißt, die umgebende Bindegewebshülle schrumpft und es kommt zu einer schmerzhaften Verformung der Brust. Für einen Brustwiederaufbau nach Entfernung der Brustdrüsen wegen Brustkrebs kann neben Implantaten auch körpereigenes Gewebe dienen, das beispielsweise aus dem Unterbauch, Gesäß oder Rücken entnommen wird. Es wird mikrochirurgisch an feine Blutgefäße angeschlossen. Hier besteht die Gefahr einer zu geringen Durchblutung des verpflanzten Gewebes. Bei einer Verkleinerung oder Straffung der Brust kann es durch das operative Versetzen der Brustwarze zu einer Beeinträchtigung oder dem Verlust der Stillfähigkeit kommen.

Wann ist medizinisch gesehen eine Operation ratsam?
Wenn zum Beispiel durch eine sehr große Brust eine einseitige Belastung der Wirbelsäule besteht, kann es zu einem anhaltenden Schulter-Arm-Syndrom kommen, bei dem Nacken- und Schulterschmerzen bis in Arm, Hände und Finger ausstrahlen können. In diesem Fall rät der Orthopäde zu einer Brustverkleinerung. Auch chronische Hautreizungen in der Brustumschlagsfalte sind ein Grund für operative Brustverkleinerungen. Erschlaffte Brüste, zum Beispiel nach dem Stillen, können eine psychische Belastung darstellen, so dass eine Korrektur empfehlenswert ist. Bei Brustkrebspatientinnen, denen eine Brust entfernt werden musste, befürworte ich einen Wiederaufbau, denn die Patientinnen fühlen sich dann im Alltag sicherer, selbstbewusster. Sie haben dann eine normale Brustform, die sie beim Tragen einer Prothese nicht hätten. Jede Patientin wird in die Entscheidungsfindung, welches Verfahren für sie das Beste ist, miteinbezogen. Was wir wiederherstellen, wird niemals so sein, wie die natürliche Brust war. Ob ein Aufbau sinnvoll ist, hängt auch vom Krankheitsverlauf ab, zum Beispiel, ob Metastasen vorhanden sind. Hier arbeiten wir eng mit dem Brustzentrum der Kreisklinik Ebersberg zusammen.

Welche Verfahren werden beim Brustaufbau angewandt?
Neben dem Brustaufbau mit körpereigenem Gewebe wird häufig wegen des geringeren Risikos ein Implantat eingesetzt. Ein Implantataufbau ist jedoch nur möglich, wenn genügend und gut verschiebbare Brusthaut und Platz unter dem großen Brustmuskel zur Verfügung stehen. Oft wird sofort im Rahmen der Brustdrüsenentfernung ein so genannter Expander eingesetzt, der dann langsam aufgefüllt wird, damit sich die Haut und der Muskel dehnen. Nach einigen Monaten kann dann ein dauerhaftes Implantat eingesetzt werden.

Was war in den letzten Jahren der größte medizinische Fortschritt im Bereich Brustwiederaufbau?
Um auch mittels Implantat eine natürliche, leicht hängende Brustform gestalten zu können, wurden teils resorbierbare Netzmaterialien entwickelt, die zusätzlich zum Muskel das Implantatlager bedecken. Eine neue, verfeinerte Methode wurde zur Aufbereitung von Fettzellen für das so genannte Lipofilling, also der Eigenfetttransplantation, entwickelt. An einer Stelle des Körpers wird überschüssiges Fett abgesaugt und die aufbereiteten Fettzellen werden in die Brust eingespritzt. Damit können beispielsweise nach der brusterhaltenden Tumortherapie Dellen in der Brust aufgefüllt oder Brustasymmetrien ausgeglichen werden.


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