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Myome – operieren oder nicht?


Dr. Helen Budiman

Ebersberg, April 2012 – Jede vierte deutsche Frau über 30 leidet an Myomen. Das sind Wucherungen, die in der Muskelschicht der Gebärmutter auftreten. Diese häufigsten gutartigen Tumoren des weiblichen Genitaltrakts können sich bei jeder Frau entwickeln, weiß Dr. Helen Budiman. Die Oberärztin in der Abteilung "Gynäkologie & Geburtshilfe" an der Kreisklinik Ebersberg über Hintergründe und Behandlungsmethoden.

Woher kommen Gebärmutter-Myome?
Dr. Budiman: Die genaue Ursache der Entstehung ist bislang noch unbekannt. Es wird jedoch ein genetischer Einfluss vermutet. So treten Myome bei Töchtern, deren Mütter Myom-Trägerinnen waren, häufiger auf. Myome sind gutartige hormonabhängige Tumoren, treten erst nach der Pubertät auf und bilden sich meist nach der Menopause zurück. Frauen, die bis zu den Wechseljahren keine Myome hatten, bekommen danach auch keine mehr.

Sind Myome schmerzhaft oder gar gefährlich?
Dr. Budiman: Myome sind meist harmlos, das Risiko für eine Entartung liegt bei unter einem Prozent. Etwa ein Drittel der betroffenen Frauen kann mit einem Myom beschwerdefrei leben. Bei den Übrigen treten am häufigsten Blutungsstörungen auf. Große Myome üben Druck auf die Nachbarorgane im Becken aus und können Blase und Darm beeinträchtigen.

Warum gehen so wenige Menschen zur Vorsorge?
Dr. Budiman: Wenn deutliche, die Lebensqualität einschränkende Beschwerden auftreten, können Myome mittels unterschiedlicher Methoden behandelt werden. Die Therapieart hängt ab von Symptomen, Größe und Lage des Myoms, Alter der Frau und ihrer Familienplanung. Die Hormontherapie führt meist nur vorübergehend zu einer Symptomverbesserung und Größenreduktion. Sie kommt nicht für Frauen in Frage, die demnächst schwanger werden wollen. Weiterer Nachteil: Sobald die Medikamente abgesetzt werden, wachsen die Myome meist wieder.

Welche operativen Therapien gibt es?
Dr. Budiman: Früher wurde vor allem Frauen ohne Kinderwunsch oft pauschal die Gebärmutterentfernung empfohlen. Heute wollen sich viele Frauen nicht von einem Organ trennen, das für sie Teil ihrer "Weiblichkeit" ist. Dafür haben wir bei der operativen Behandlung die gebärmuttererhaltende Ausschälung der Myome mittels Bauchspiegelung, Bauchschnitt oder Gebärmutterspiegelung. Bei Kinderwunsch ist die operative Entfernung der Myome - oft durch einen minimal-invasiven Eingriff - die Methode der Wahl.

Und wenn die Gebärmutter doch entfernt werden muss?
Dr. Budiman: Eine Gebärmutterentfernung kann sinnvoll sein, wenn Myome immer wieder kommen und die Patientin keinen Kinderwunsch mehr hat. Aber auch dies bedeutet nicht gleich einen Bauchschnitt. Die eleganteste Methode erfolgt heute endoskopisch per "Schlüssellochtechnik". Dabei wird über einen nur 0,5 bis 1 cm langen Schnitt in der Bauchnabelgrube ein optisches Instrument mit einer Mini-Kamera in den Bauchraum eingeführt und die Gebärmutter zerkleinert entfernt.

Welche alternativen Verfahren gibt es außerdem?
Dr. Budiman: Einige Radiologen bieten die Myomembolisation an. Bei einem ambulanten Eingriff über die Leiste wird ein dünner Schlauch durch die Beckenarterie bis an die Stelle, an der sich das Blutgefäß in das Myom hinein verzweigt, geschoben. Durch ihn werden winzige Kunststoffkügelchen eingebracht, die in die Blutgefäße geschwemmt werden, sich dort festsetzen, die Gefäße verschließen und somit die Ernährung stoppen. Meist schrumpfen die Myome in den folgenden Monaten, sind jedoch nach wie vor vorhanden und können wieder wachsen. Eine noch relativ neue Methode, um Myome zu entfernen, ist der in der Regel nicht von den Kassen gezahlte, fokussierte Ultraschall. Dabei wird das Myom unblutig zertrümmert. Der Körper löst das zugrunde gegangene Gewebe langsam auf. Diese Behandlung kommt allerdings nicht für jede Myomart in Frage.

Wie geht es weiter?
Dr. Budiman: Nach der endoskopischen Myomentfernung treten die wenigsten Schmerzen auf, der Klinikaufenthalt dauert nur zwei bis drei Tage, und die Patientinnen sind sehr schnell körperlich wieder fit. Nach einer offenen Operation ist ein etwa fünf- bis sechstägiger Klinikaufenthalt nötig. In jedem Fall sollten sich betroffene Frauen im Falle eines Gebärmuttermyoms mit ihrem Frauenarzt beraten.


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