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Wenn Blutgefäße verengt sind


Bei Gefäßerkrankungen arbeiten Radiologen und Chirurgen immer enger zusammen

Bei Gefäßerkrankungen arbeiten Radiologen und Chirurgen immer enger zusammen
Bei Erkrankungen der Blutgefäße stimmen der Chirurg Dr. Peter Kreissl (links) und der Radiologe Dr. Marco Heinz anhand der bildgebenden Diagnostik die individuell effizienteste und schonendste Therapie ab. Foto: kk/sf

Ebersberg, Mai 2017 – Kommt es zu Verengungen oder anderen Störungen in unserem Blutkreislauf, kann das zu Organschädigungen oder sogar zum Tod führen. Welche Diagnose- und Therapieverfahren heutzutage in der Gefäßmedizin zur Verfügung stehen, erläutern die Ebersberger Spezialisten Dr. Marco Heinz, Chefarzt der Radiologie, und Dr. Peter Kreissl, Chefarzt der Allgemein-, Visceral- und Gefäßchirurgie.

Welche Gefäßerkrankungen treten am häufigsten auf?
Dr. Heinz: Bei den arteriellen Erkrankungen ist es die Arteriosklerose oder auch Gefäßverkalkung. Im fortgeschrittenen Stadium kann sie zum Arterienverschluss führen. Die Folge ist eine mangelnde Sauerstoffversorgung der betroffenen Körperregion. Am häufigsten tritt die Erkrankung bei Rauchern, älteren Menschen und Diabetes-Patienten auf. Daneben gibt es Aneurysmen, also Aussackungen der Arterien, die reißen und zu inneren Blutungen führen können, oder in denen sich manchmal Blutgerinnsel (Thromben) bilden. Wandern diese Blutpfropfen, können sie einen plötzlichen Verschluss kleinerer Gefäße verursachen. Selten sind entzündliche Prozesse in den Arterien. Die häufigsten Venenerkrankungen sind Beinvenenthrombosen und Krampfadern.

Wie wird eine Gefäßerkrankung diagnostiziert?
Dr. Kreissl: Wenn es kein Notfall ist, zum Beispiel ein Herzinfarkt oder Schlaganfall, wird der Hausarzt zunächst schauen, ob die Beschwerden zu einer Gefäßerkrankung passen und eine körperliche Untersuchung durchführen. Zudem gehört eine Ultraschalluntersuchung immer zu den ersten Maßnahmen.
Dr. Heinz: Bei einer ernsten Gefäßerkrankung ist es Aufgabe der Radiologie, die Gefäße mithilfe von bildgebenden Verfahren darzustellen. Welches angewendet wird, ist abhängig vom Befund und von der Lokalisation der erkrankten Arterie. Große Blutgefäße in Hals, Bauch und Brust werden meist per Computertomografie (CT) untersucht, körpernahe Extremitäten wie etwa Oberarme, Schulter sowie der Kopf durch Magnetresonanzangiografie (MRA), körperferne kleine Gefäße in Unterschenkel und -armen per Katheterangiografie. Letztere hat den Vorteil, dass Gefäßverschlüsse auch gleich therapiert werden können. Es wird allerdings nur angewandt, wenn tatsächlich Handlungsbedarf besteht.

Aus welchem Grund?
Dr. Kreissl: Es sind einige Risiken damit verbunden. Erstens wird der Patient Röntgenstrahlen ausgesetzt, zweitens kann das jodhaltige Kontrastmittel allergische Reaktionen hervorrufen. In den letzten Jahren konnten aber sowohl die Strahlendosis reduziert als auch das Kontrastmittel verträglicher gestaltet werden. Bei Patienten mit schlechter Nierenfunktion besteht ein erhöhtes Risiko einer Nierenschädigung, denn das Kontrastmittel wird über die Niere ausgeschieden. Patienten mit Schilddrüsenüberfunktion müssen vor dem Eingriff ein Medikament einnehmen, das die Aufnahme des Jods in der Schilddrüse verhindert. Außerdem kann es bei der Katheterangiografie zu Blutungen kommen. Deshalb muss der Patient danach eine gewisse Ruhezeit einhalten.

Wie funktioniert die Katheterangiografie?
Dr. Heinz: Bei einem Gefäßverschluss in den Beinen wird für die Untersuchung bei örtlicher Betäubung ein Katheter in die Leistenschlagader geführt. Darüber leiten wir das Kontrastmittel in die Blutgefäße der Beine, gleichzeitig werden in schneller Abfolge Röntgenaufnahmen erstellt. Ist eine Engstelle oder ein Verschluss vorhanden, werden über den Katheter auch die chirurgischen Instrumente eingeführt, um das Gefäß per Ballon-Dilatation oder Stent wieder zu öffnen.

Welche Vorteile hat das Verfahren gegenüber anderen?
Dr. Kreissl: Der größte Vorteil ist, dass in der gleichen Sitzung therapiert werden kann. Und im Vergleich zur CT, bei der das Kontrastmittel über einen Venenzugang gespritzt wird und sich im gesamten Körper verteilt, reicht bei der Katheterangiografie nur ein Bruchteil der Menge für die Darstellung, weil die Gabe über die Arterie gezielter erfolgen kann. Der Vorteil einer CT ist, dass sämtliche Gefäße innerhalb von wenigen Sekunden übersichtlich dargestellt werden können. Bei lebensbedrohlichen Gefäßverschlüssen in Hals, Bauch und Brust ist das wichtig. Das schonendste Verfahren ist die MRT. Sie ist nicht-invasiv, das bedeutet, es erfolgt kein Eingriff in den Körper wie etwa eine Katheterpunktion und es gibt keine Strahlenbelastung. Während der deutlich längeren Untersuchungszeit von bis zu 30 Minuten muss der Patient sehr lange ruhig liegen. Die MRT ist daher bei unruhigen Patienten mit Schmerzen nicht geeignet.

Wie sieht die Zukunft in der Gefäßmedizin aus?
Dr. Heinz: Es werden immer mehr Eingriffe minimalinvasiv durchgeführt werden können, weil die chirurgischen Instrumente immer kleiner werden. Die Katheter für eine Angiografie haben gerade einmal einen Millimeter Durchmesser. Damit können wir mittlerweile auch Gefäße im vorderen Fuß erreichen. Vor einigen Jahren war das noch nicht möglich. Für den Patienten bedeutet das im Vergleich zu einer offenen Operation: geringere Operationsrisiken und schnellere Rückkehr ins Alltagsleben.

Heißt das, Gefäßchirurgen haben künftig weniger Aufgaben?
Dr. Kreissl: Wir sind weiterhin gefragt, wenn es keine minimalinvasive Alternative gibt. Die Leistenschlagader zum Beispiel kann wegen der ständigen Beugung nicht mit einem Stent aufgedehnt werden, hier legt der Chirurg einen Bypass. Dr. Heinz und ich arbeiten sehr eng zusammen und besprechen für jeden einzelnen Patienten die optimale Therapie.

Das Gespräch führte Sybille Föll


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