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Ernährung gehört zur Tumortherapie in der Kreisklinik Ebersberg


Therapiesichernde Ernährung jetzt auch Teil des Entlassmanagements bei Krebserkrankungen

Ernährung gehört zur Tumortherapie in der Kreisklinik Ebersberg
Interdisziplinäres Behandlungsteam im Darmzentrum Ebersberg. Von links: Ltd. Oberarzt Dr. Daniel Plecity, Bereichsleiterin Endoskopie/Onkologie Ingrid Schwarz, Chefarzt Prof. Thomas Bernatik (alle Medizinische Klinik I) und Chefarzt Dr. Peter Kreissl (Allgemein, Visceral- und Gefäßchirurgie). Foto: kk/sf

Ebersberg, Februar 2019 – Moderne Krebstherapien integrieren zunehmend Ernährung, Bewegung und die psychologische Betreuung von Patienten in ihr Behandlungskonzept. Die Kreisklinik Ebersberg wurde wegen ihrer Vorreiterrolle auf diesem Gebiet 2014 neben drei Teilnehmern aus Deutschland sowie acht internationalen Kliniken in eine internationale Beobachtungsstudie zur Mangelernährung bei Krebserkrankungen des Magen-Darm-Traktsaufgenommen, womit die Ernährungsmedizin starke neue Impulse erhalten hat. Seit 2019 ist die Ernährungstherapie auch Bestandteil des Entlassmanagements. Was dies für den Patienten bedeutet, erklärt Dr. Daniel Plecity, Leitender Oberarzt der Medizinischen Klinik I der Inneren Medizin und Initiator des Klinik-Ernährungsteams.

Dr. Plecity, das Darmzentrum hat das Entlassmanagement um eine ernährungstherapeutische Anschlussversorgung erweitert. Was bedeutet das konkret?
Jede Klinik ist gesetzlich verpflichtet, mit der stationären Entlassung eines Patienten bei Bedarf dessen ambulante Weiterbehandlung einzuleiten: durch Medikamente, Physiotherapie oder andere erforderliche Maßnahmen.Das nennt man Entlassmanagement. Weil im Darmzentrum Ebersberg die Ernährungstherapie einen hohen Stellenwert im Behandlungskonzept innehat, wollen wir sichergehen, dass sie auch nach dem stationären Aufenthalt fortgeführt wird.Bisher haben wir den Patienten die individuell erstellten Ernährungspläne einfach mitgegeben. Leider wurden sie nicht immer eingehalten mit der Folge, dass sich der Gesundheitszustand des Patienten verschlechterte. Jetzt halten wir diesbezüglich Rücksprache mit dem Hausarzt und instruieren gegebenenfalls auch den Pflegedienst, der sich nach Entlassung um den Patienten kümmert. Das ist eine freiwillige, vom Gesetzgeber nicht vorgesehene Leistung, die uns aber zum Wohle des Patienten wichtig ist.

Warum widmen die Ärzte des Darmzentrums Ebersberg der Ernährung diese große Bedeutung?
Die meisten unserer Patienten leiden an Darm-, Magen-, Bauchspeicheldrüsen- oder Speiseröhrenkrebs – für sie bedarf es zeitweise einer erhöhten Energiezufuhr. Ein Mangel an Kalorien bedeutet für sie Gewichtsverlust und kann eine Schwächung des Immunsystems zur Folge haben. Auch eine nicht ausreichende Versorgung mit Vitaminen oder Mineralstoffen schadet dem Körper und würde die Lebenserwartung beeinträchtigen. Durch eine individuell angepasste Ernährungstherapie lässt sich das vermeiden, wie Studien belegen.
Übrigens: Nicht nur bei Krebs, sondern auch bei anderen Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts spielt die Ernährung eine wichtige Rolle, etwa beim Kurzdarmsyndrom. Das ist eine komplexe, von Durchfällen begleitete Erkrankung, bei der es aufgrund des starken Flüssigkeitsverlusts zu akutem Nierenversagen kommen kann. Flüssigkeit und Nährstoffe müssen hier zusätzlich intravenös zugeführt werden. Außerdem gibt es Erkrankungen, die ernährungsbedingt auftreten können, etwa Bauchschmerzen und Völlegefühl infolge einer Lebensmittelunverträglichkeit oder den Reizdarm, für den bestimmte Zuckeranteile verantwortlich sein können. Solchen Patienten kann mit einer speziellen Diagnostik wie Endoskopie oder Atemtests und mit Diät geholfen werden.

Kann durch eine bestimmte Ernährung auch Krankheiten vorgebeugt werden?
Es ist schon lange bekannt, dass eine vitamin- und ballaststoffreiche Kost sowie Bewegung allgemein fit halten und vielen Erkrankungen vorbeugen – auch Krebs. Wir haben zudem die Erfahrung gemacht, dass Tumorpatienten mit einer allgemein guten Köperkonstitution die Chemotherapie besser vertragen. Deshalb haben wir unser Screening verbessert, so dass nun jeder Krebspatient schon beim ersten Termin in der Klinik auf seinen Ernährungsstatus getestet wird. Stellen wir fest, dass Ernährungsmängel vorhanden sind, erstellen wir für ihn einen Ernährungsplan. Das betrifft alle Tumorpatienten der Kreisklinik Ebersberg.

Krebs ist nicht immer sofort erkennbar. Wie wird bei unspezifischen Symptomen diagnostisch vorgegangen?
Im Darmzentrum wird jeder Patient von einem Chirurgen und einem Internisten untersucht. Damit sichern wir die Diagnostik mit der Kompetenz mehrerer Fachrichtungen. Durchfälle etwa können mannigfaltige Ursachen haben, sie können ein Zeichen für ein bereits beschriebenes Kurzdarmsyndrom sein, aber auch Vorboten von Krebs. Jeden Morgen findet eine gemeinsame Besprechung statt, in der alle aufgenommenen Patienten besprochen werden. Durch die enge Zusammenarbeit beider Fachrichtungen können wir dem Patienten Zeit und oft auch lange Wege ersparen.

Der interdisziplinäre Austausch geht auch über die Klinik hinaus, richtig?
Ja. Die Kreisklinik Ebersberg ist Mitglied des Tumorzentrums München und seit 2018 auch Mitglied des CCC München, des Comprehensive Cancer Centers am Klinikum rechts der Isar. Wir arbeiten sehr eng mit den Kollegen an der Technischen Universität München zusammen. Über videogestützte Tumorkonferenzen besprechen wir mit den Münchner Krebsspezialisten seltene, komplizierte Fälle und erhalten fundierte Konzepte zur Weiterbehandlung.

Am 27. März veranstaltet das Darmzentrum unter Ihrer wissenschaftlichen Leitung erstmals ein Symposium unter dem Titel „Onkologie und Ernährung“. Mit welcher Intention?
Wir möchten die medizinischen Fachkräfte und alle interessierte Bürger dafür sensibilisieren, wie man Krebs vorbeugen kann, und Ärzten die neuen Möglichkeiten der modernen Tumortherapien darlegen. Daher wird es zwei Vortragsblöcke geben. Das Thema Ernährung wird dabei von allen Seiten beleuchtet, aus der Sicht von Köchen, Ärzten, Gesundheits-Coaches und anderen.

Das Gespräch führte Sybille Föll


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