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Eierstockkrebs


Aktuelles zu Ursachen und Therapie

Eierstockkrebs: Aktuelles zu Ursachen und Therapie
Dr. Helen Budiman im Untersuchungsbereich der Gynäkologischen Ambulanz Foto: kk/sf

Ebersberg, Mai 2019 – Eierstockkrebs ist im Vergleich zu anderen Tumorarten besonders aggressiv. Laut der Deutschen Krebsgesellschaft leben nur 41 Prozent der betroffenen Patientinnen länger als fünf Jahre nach Diagnose und Therapie. Dr. Helen Budiman, Chefärztin der Gynäkologie und Geburtshilfe in der Kreisklinik Ebersberg, erläutert die Risiken für eine Erkrankung sowie neue medizinische Erkenntnisse.

Warum hat Eierstockkrebs eine so schlechte Prognose?
Weil Symptome erst in einem späten Stadium auftreten. Die Anatomie der Frau ist so beschaffen, dass für ein heranwachsendes Kind viel Platz im Unterleib entstehen kann. Ein wachsender Tumor hat also erst einmal Zeit sich auszudehnen, bevor er bemerkt wird. Dann hat er sich oft schon innerhalb des Bauchraums ausgebreitet. Wird der Tumor im Frühstadium entdeckt, sind die Heilungschancen relativ gut. Doch anders als beispielsweise beim Brustkrebs gibt es beim Eierstockkrebs leider keine zuverlässige Früherkennungsuntersuchung.

Welche Symptome können auftreten?
Im Spätstadium ein dumpfes Druckgefühl und Schmerzen im Unterleib, Völlegefühl, ein vorgewölbter Bauch sowie eine unerklärliche Gewichtsabnahme. Bei der gynäkologischen Untersuchung weisen vergrößerte Eierstöcke und freies Bauchwasser auf einen Tumor hin.

Wie kann Eierstockkrebs entstehen?
Hundertprozentig sind die Ursachen noch nicht klar, aber in einigen Fällen sind es veränderte Gene wie etwa die BRCA-Gene (die englische Abkürzung für BReast CAncer, zu Deutsch: Brustkrebs), die in mutierter Form das Risiko für die Entstehung von Eierstock- und auch Brustkrebs begünstigen. Hierbei steigt das Risiko mit zunehmendem Alter. Generell sind von Eierstockkrebs betroffene Patientinnen im Durchschnitt etwa 70 Jahre alt. Inzwischen haben Forscher herausgefunden, dass die Mehrzahl der Eierstockkrebserkrankungen von den Eileitern ausgeht. Auf ihnen können bösartige Zellen entstehen, die sich auf die Eierstöcke übertragen. Daher empfehlen Gynäkologen Patientinnen, die ihre Familienplanung abgeschlossen haben, bei einer Gebärmutterentfernung, etwa aufgrund einer Senkung oder anderer Gebärmuttererkrankungen, oder im Rahmen einer Sterilisation auch die Eileiter entfernen zu lassen. Das verringert das Risiko für einen Eierstockkrebs. In der Kreisklinik Ebersberg klären wir unsere Patientinnen schon länger über diese Zusammenhänge auf.

Wieso werden nicht auch die Eierstöcke entfernt?
Weil sie wichtig sind für das hormonelle Gleichgewicht der Frau, vor allem vor den Wechseljahren. In den Eierstöcken entstehen unter anderem Östrogene, die für den regelmäßigen Monatszyklus verantwortlich sind. Notfalls kann auch ein Eierstock entfernt werden, der andere übernimmt dann nach einer Weile die Aufgabe von beiden.

An den Eierstöcken bilden sich oft Zysten. Können sie zu bösartigen Tumoren ausarten?
Das ist sehr selten. Vom Zeitpunkt der Geschlechtsreife bis zu den Wechseljahren finden in den weiblichen Geschlechtsorganen mit dem Monatszyklus ständig Veränderungen statt. Da können oft kleine Zysten – mit Flüssigkeit gefüllte Blasen – aus nicht geplatzten Follikeln entstehen, die meisten verschwinden aber in der Regel wieder von selbst. Erst ab einer gewissen Größe besteht die Gefahr, dass sie sich drehen und dadurch die Blutzufuhr abgeschnürt wird. Die Zyste stirbt ab und mit ihr kann auch das umgebende Gewebe am Eierstock absterben. Das führt zu starken Schmerzen und Unfruchtbarkeit. In diesem Fall sollten die Zysten vorher operativ entfernt werden. Ebenso sollten mit Gewebe gefüllte Bläschen wie etwa Dermoidzysten oder blutgefüllte Endometriosezysten entfernt werden. Treten nach den Wechseljahren Zysten auf, ist ebenfalls eine Entfernung empfohlen, denn in diesem Alter verschwinden sie meist nicht mehr einfach so und sind unter gewissen Umständen als verdächtig zu betrachten.

Wie wird die Operation durchgeführt?
Das ist abhängig vom Befund. Bei kleineren Zysten sowie einem unklaren Krankheitsbild nehmen wir eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) vor. Über sehr kleine Schnitte werden die Instrumente und eine Kamera eingeführt, den Eingriff können wir so über einen Bildschirm kontrollieren. Große Zysten und Tumore werden über einen Bauchschnitt entfernt.

Kann Eierstockkrebs vorgebeugt werden?
Leider nicht. Aber ich empfehle jeder Frau, sich regelmäßig beim Frauenarzt untersuchen zu lassen. Das gilt besonders für Frauen, die erblich vorbelastet sind.

Das Gespräch führte Sybille Föll


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