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Kleiner Schnitt, große Erleichterung
Mit der Single-Port-Technik sind Patienten schneller fit


Mit der Single-Port-Technik sind Patienten schneller fit

Ebersberg – Werner N. ist ganz entspannt, obwohl er heute in der Kreisklinik Ebersberg am Dickdarm operiert werden soll. Seine gelassene Haltung liegt nicht nur an dem leichten Beruhigungsmittel, das er eben bekommen hat. Der Endvierziger hat beste Aussichten, dass ihm die von seinem Operateur Dr. Peter Kreissl gewählte Eingriffsform eine schnelle Genesung bringt. Single-Port-Technik heißt das Verfahren, bei dem der Patient gleich durch den Bauchnabel operiert werden wird.

Während sich Werner N. von Anästhesistin Dr. Nicole Forster sorgfältig für die Operation vorbereiten lässt und langsam in die Vollnarkose hinübergleitet, erläutert Chefarzt Kreissl seinen Eingriff. Sein Patient hat eine entzündliche Erkrankung im Dickdarm, die ihm in immer wiederkehrenden Schüben schmerzhafte Probleme bereitet. Nun endlich soll der entzündete Darmteil entfernt werden. Sehen wird man die Operation später kaum mehr. Wo früher große Narben verliefen, bleiben heute bei dem Eingriff über den Bauchnabel so gut wie keine Erinnerungen mehr. Je kleiner die OP-Narbe, desto kleiner auch die mit Schmerzen verbundene Gewebezerstörung. So sind die Patienten im Anschluss an die Operation viel eher wieder mobil.

Bei einem Darmeingriff wie diesem kommt in der Kreisklinik zumeist das „Fast-Track-Verfahren“ zur Anwendung. Dank dieses Konzeptes zur schonenden perioperativen Versorgung - also vor, während und nach der Operation - kehrt der Körper nach der Operation schnell wieder zu seinen normalen Funktionen zurück. „Bereits am ersten Tag nach der OP setzt wieder die Darmtätigkeit ein“, erläutert Dr. Kreissl.

Zuvor jedoch werden der Chefarzt und sein Team Werner N. von seinem Quälgeist befreien. Mit wenigen geschickten Handgriffen setzt der Operateur auf dem Bauchnabel den Zugang für den Eingriff. Durch den Single-Port, eine Art kleine, kreisrunde Plastikhaube von zehn Zentimetern Durchmesser, führt der Mediziner eine Kamera und zwei lange Instrumente mit kleinen Zangen an der Spitze in den Bauchraum des Patienten. Dieser wird während des gesamten Eingriffs auch von der Anästhesie ständig mit Argusaugen überwacht.

Gute Augen, vor allem aber viel Geschick in den Händen braucht Peter Kreissl. Wo er früher beim Operieren die Sensibilität seiner Fingerspitzen genutzt hat, ist nun beidhändiges Arbeiten mit gekreuzten Instrumenten angesagt. Seine Arbeit verfolgt Dr. Kreissl am großen Bildschirm über dem Operationstisch, denn den direkten Blick in den Körper gibt es bei diesem minimal-invasiven Eingriff ja nicht mehr. Oberarzt Dr. Stephan Herold steht Schulter an Schulter mit seinem Chef. Mit seiner Kameraführung muss er den Operationsbereich optimal ausleuchten. Bei nur einem Zugang ist der zur Verfügung stehende Platz ohnehin sehr begrenzt.

Außerdem erweist sich die betroffene Stelle als größer als erwartet, möglicherweise hat Werner N. die Schmerzen ein wenig heruntergespielt. Weil im Bauchraum ohnehin alles eng beieinander liegt, ist es nicht ungewöhnlich, dass sich wie in diesem Fall ein Stück Dickdarm mit dem Dünndarm verklebt hat.

Was banal klingt, ist für den Operateur ein hartes Stück Arbeit. Er muss die Verklebung lösen, ohne Schäden anzurichten. Der erfahrene Chirurg meistert die Herausforderung mit gewohnter Souveränität. OP-Schwester Ilona und ihr Team assistieren mit akkuraten Handgriffen, die keinen Zweifel an ihrer hohen fachlichen Kompetenz lassen. Nach knapp zwei Stunden hochkonzentrierten Arbeitens ist Werner N. um das doch fast 20 Zentimeter lange, entzündete Stück seines Dickdarms erleichtert. Rund eine Woche nach dem fast unblutigen Eingriff wird er nach Hause gehen und sein Leben schmerzfrei weiterführen können.


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