« Zurück zur Übersicht


Beiträge ForumMedizin

Weißer Hautkrebs im Gesicht


Hoher Rekonstruktionsanspruch und die Möglichkeiten der Plastischen Chirurgie

Nahrungsmittelunverträglichkeit oder Allergie
Dr. Timm Engelhardt demonstriert an seiner Kollegin, Assistenzärztin Kerstin Jäger, die Vorbereitung einer Lappenplastik für eine Patientin mit Hautkrebs an der Nasenspitze. Foto: kk/sf

Ebersberg, Februar 2020 – Der Frühling steht vor der Tür und jeder freut sich auf wärmere Tage. Doch die ersten Sonnenstrahlen sollten mit Vorsicht genossen werden. Im März und April ist die UV-Strahlung, Hauptursache für den sogenannten Weißen Hautkrebs, besonders intensiv. Meist tritt er im Gesicht auf und die operative Therapie wird insbesondere bei großer Ausdehnung oder anspruchsvoller Lage oft von einem Plastischen Chirurgen vorgenommen. Hintergründe dazu erläutert Dr. Timm Engelhardt, Chefarzt der Plastischen Chirurgie und Handchirurgie in der Kreisklinik Ebersberg.

Was ist Weißer Hautkrebs?
Unter dem Begriff werden zwei bösartige Tumorarten zusammengefasst: Das Plattenepithelkarzinom und das Basaliom, auch Basalzellkarzinom genannt. Meistens treten sie an den sogenannten Sonnenterrassen im Gesicht auf. Das sind Nase, Stirn, Jochbein und Unterlid. Manchmal sind auch Ohren, Hals oder der Scheitel betroffen. Beim Basaliom ist das Risiko einer Streuung auf andere Körperregionen äußerst gering im Gegensatz zum Epithelplattenkarzinom, welches Metastasen bilden kann. Mit bundesweit etwa 160.000 Neuerkrankungen pro Jahr gehört das Basaliom zu den häufigsten Hautkrebs-Arten, gefolgt vom Plattenepithelkarzinom – Tendenz steigend. Mittlerweile haben über ein Viertel unserer stationär behandelten Patienten in der Plastischen Chirurgie Tumore im Kopf-Halsbereich.

Warum nimmt die Zahl der Erkrankten zu?
Das Durchschnittsalter betroffener Patienten liegt bei zirka 60 bis 70 Jahren. Da die Menschen jedoch immer älter werden, steigt entsprechend die Zahl der Patienten. Allerdings sind im Vergleich zu früheren Jahren auch immer mehr Jüngere betroffen. Grund hierfür ist, dass durch die Ausdünnung der Ozonschicht der natürliche Schutz vor den UV-Strahlen immer geringer wird. Mittlerweile tritt der Weiße Hautkrebs bei 95 Prozent der Patienten zwischen 40 und 80 Jahren auf.

Was bedeutet das für die Plastische Chirurgie?
Eine große Herausforderung! Die Betroffenen haben immer mehr den Anspruch, dass die Hautdefekte, die durch eine sorgfältige operative Entfernung des Tumors entstehen, ästhetisch zufriedenstellend korrigiert werden. Doch nicht nur ein optisch attraktives Gesicht ist wichtig. Die Funktionen müssen gewährleistet sein, vom Lidschluss über die Nasenatmung bis hin zur Beweglichkeit des Mundes und der Muskeln, denn schließlich ist das Gesicht ein elementarer Bestandteil der Kommunikation, ob durch das Sprechen oder die Mimik.

Wie groß können die Hautdefekte sein?
Das ist abhängig von der Größe des Tumors und der Art des Wachstums. Das Basaliom wird in verschiedene Wachstumstypen unterteilt. Die zwei häufigsten sind ein knotiges Wachstum, ähnlich einer Warze, und ein sklerodermiformes Wachstum. Bei Letzterem ist oberflächlich nur ein kleiner Teil des Tumors erkennbar, der weitaus größere Teil wächst geflechtartig unter der Haut. Hier kann es sein, dass mehr Gewebe entfernt werden muss, als auf den ersten Blick angenommen. Zudem werden auch immer einige Millimeter umliegendes Gewebe entfernt, um sicherzustellen, dass alle Tumorzellen entfernt wurden. Dadurch sinkt das Risiko für ein Lokalrezidiv, also das Wiederkehren eines Tumors, fast gegen Null. Unser Ziel bei jedem Eingriff ist, die Narben so unsichtbar wie möglich zu gestalten.

Wie gelingt Ihnen das?
Das beginnt bereits bei der Schnittführung, die sich an den Falten des Gesichts orientiert, etwa der Nasen-Lippen-Furche, und an den einzelnen Gesichtsregionen, die wir in Einheiten unterteilen, etwa die Nasen-, Augen- oder Mundregion. Sie werden als Ganzes respektiert und möglichst erhalten. Die entstandene Wunde wird je nach Größe mit einer Lappenplastik oder einem Hauttransplantat geschlossen.

Wo liegt der Unterschied?
Eine Lappenplastik ist eigenes, durchblutetes Gewebe aus der Gesichtsregion, das verlagert wird. Ist zum Beispiel die Nase betroffen, wird überschüssige Haut daneben über die Wunde verlagert und fixiert. Hierdurch kann man „Gleiches mit Gleichem“ ersetzen für ein optimales Rekonstruktionsergebnis. Oder man entnimmt an anderer Stelle Gesichtshaut und transplantiert sie. Sind mehr als zwei Drittel einer Einheit betroffen, wird die gesamte Einheit rekonstruiert. Ist der Defekt so groß, dass eine Lappenplastik nicht ausreicht, verwenden wir Hauttransplantate von anderen Körperstellen mit Hautüberschuss, wie etwa am Oberschenkel, am Hals oder an der Leiste. Der Nachteil ist, dass diese Haut eine andere Pigmentierung und Struktur hat als die des Gesichts und im Laufe der Jahre doppelt so hell oder dunkel werden kann.

Werden die Operationen unter Vollnarkose durchgeführt?
Selten. Bei vielen Eingriffen am Kopf ist eine lokale Betäubung ausreichend.

Gibt es neben der Operation andere Therapiemöglichkeiten?
Bei schwerkranken Patienten oder wenn der Tumor inoperabel ist, weil zum Beispiel das Auge beteiligt ist und die Gefahr einer Erblindung droht, wird meist eine Strahlentherapie durchgeführt. Weitere Optionen in solchen Fällen sind die Lasertherapie oder die Kryotherapie, eine Kältetherapie mit flüssigem Stickstoff. In einigen Fällen ist auch eine medikamentöse Therapie möglich. Der Nachteil dieser Therapien ist, dass der histologische Befund fehlt. Nach jeder Operation untersuchen wir das entnommene Gewebe unter dem Mikroskop, um die Art des Tumors, seine vollständige Entfernung und weitere Erkrankungsrisiken zu identifizieren.

Ihr Rat für Patienten?
Regelmäßig einen Hautcheck vornehmen lassen, auch bei kleinsten Veränderungen einer verdächtigen Stelle. Und natürlich die Sonne meiden oder zumindest eine Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor benutzen.

Das Gespräch führte Sybille Föll, Freie Journalistin


» Zur Abteilung für Plastische Chirurgie
© 2020
Impressum     Datenschutz    Covid-19