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Klinik Ebersberg mit neuem Angebot für Rückenpatienten


Neurochirurgie ermöglicht Behandlung degenerativer Wirbelsäulenerkrankungen

Neurochirurgie ermöglicht Behandlung degenerativer Wirbelsäulenerkrankungen
Der Neurochirurg Dr. Wolfgang Schneid (links) und Dr. Artur Klaiber, Chef der Unfallchirurgie und Orthopädie, besprechen gemeinsam die optimale Therapie für eine Wirbelsäulen-Erkrankung. Foto: kk/sf

Ebersberg, Oktober 2020 – Die Eröffnung des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) an der Kreisklinik Ebersberg im April dieses Jahres hat neben den neuen ambulanten Behandlungsmöglichkeiten auch im stationären Klinikbereich Vorteile für die Patienten gebracht, insbesondere für Rückenpatienten. Der Neurochirurg Dr. Wolfgang Schneid sowie der Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie Dr. Artur Klaiber erläutern, welche neuen Strukturen sie im letzten halben Jahr bereits aufbauen konnten.

Was hat sich seit der Eröffnung des MVZ in der Kreisklinik geändert, Dr. Klaiber?
Klaiber: Die wichtigste Neuerung ist, dass wir nun auch Patienten mit degenerativen Wirbelsäulenerkrankungen, etwa einem Bandscheibenvorfall oder einer Wirbelkanalenge, behandeln können. Bisher waren nur Therapien unfallbedingter Wirbelsäulenverletzungen möglich. Mit dem MVZ haben wir neben dem stationären Bereich in der Klinik jetzt auch einen ambulanten Therapiebereich. Beide Bereiche sind eng miteinander verzahnt, Dr. Schneid als Neurochirurg und ich haben eine intensive Zusammenarbeit aufgebaut. Innerhalb unserer Abteilung Unfallchirurgie haben wir sogar einen eigenen Fachbereich Neurochirurgie unter der Leitung von Dr. Schneid eingerichtet.

Ist dieser Fachbereich für alle neurochirurgischen Erkrankungen zuständig?
Schneid: Ambulant in der Sprechstunde, ja. Im stationären Bereich deckt er nur ein Teilgebiet der Neurochirurgie ab und beschränkt sich auf die Therapie von degenerativen Wirbelsäulenerkrankungen.

Wo verzeichnen Sie die größten Synergien?
Schneid: Wenn zum Beispiel bei einer Wirbelsäulenoperation Nervenstrukturen betroffen sind, werde ich hinzugezogen und operiere gemeinsam mit Dr. Klaiber unter Einsatz des Operationsmikroskops.
Klaiber: Durch die Bündelung unseres Fachwissens können wir kompliziertere Wirbelsäulenoperationen durchführen als bisher. Somit konnte unsere Abteilung auch im operativen Bereich ihr Therapiespektrum deutlich erweitern.

Dr. Schneid, wie häufig operieren Sie Patienten mit degenerativen Wirbelsäulenerkrankungen?
Schneid: Bei meinen Patienten liegt der Anteil bei höchstens zehn Prozent. Meistens haben die Betroffenen neurologische Ausfälle mit Taubheitsgefühl oder Lähmungen in den Extremitäten. Es kommt auch vor, dass ich jungen Patienten mit Bandscheibenvorfällen an der Halswirbelsäule Bandscheibenprothesen einsetze, vorausgesetzt, die betroffenen Bereiche zeigen keine größeren Verkalkungen. Verschleißerscheinungen findet man nicht nur bei älteren Menschen, sie können genetisch bedingt schon in jungen Jahren auftreten. Den überwiegenden Teil der Patienten behandle ich jedoch konservativ ambulant, etwa durch eine Infiltration. Hierbei wird unter Röntgenkontrolle gezielt an die schmerzende Stelle ein lokales Betäubungsmittel sowie Cortison gespritzt - Letzteres, um die Entzündung einzudämmen. Ergänzend kommt Physiotherapie hinzu. Den meisten Patienten bleibt so eine Operation erspart.

Besteht auch die Möglichkeit einer konservativen stationären Behandlung?
Schneid: Ja, auch diese bieten wir an, von der Kernspin-Diagnostik bis hin zur Schmerztherapie mit verschiedenen therapeutischen Ansätzen. Dank der Zusammenarbeit mit der Klinik können wir interdisziplinär arbeiten. Das bedeutet, wir können einen Anästhesisten hinzuziehen oder Therapeuten anderer Fachrichtungen.

Kommt es vor, dass Sie Patienten zu Dr. Klaiber schicken?
Schneid: Ja, wenn zum Beispiel abgeklärt werden soll, ob die Rückenschmerzen beziehungsweise ausstrahlende Schmerzen in den Beinen ihre Ursache in der Lendenwirbelsäule oder in der Hüfte haben. Letztere würde dann in den Fachbereich Orthopädie fallen. Oder wenn der Verdacht auf eine Wirbelsäulenverletzung besteht.

Wie werden solche Verletzungen in der Unfallchirurgie therapiert?
Klaiber: Bei Wirbelbrüchen wird die Wirbelsäule durch Schrauben-Stab-Systeme stabilisiert, mitunter werden auch gebrochene Wirbelkörper durch Titan-Körper ersetzt und durch Platten zusätzlich stabilisiert. Diese Methoden wenden wir primär bei jüngeren Menschen an. Bei älteren Patienten mit Osteoporose füllen wir gebrochene Wirbelkörper mit kleinen Titan-Körbchen und Zement auf, um sie zu stabilisieren. Zudem behandeln wir auch Tumore, Metastasen und Vereiterungen an den Wirbelkörpern.

Ihr Fazit zu den neuen Strukturen in der Orthopädie und Unfallchirurgie?
Klaiber: Insgesamt kann die Kreisklinik Ebersberg nun Patienten eine hoch komplexe Rückentherapie anbieten. Und ich bin froh, dass wir mit Dr. Schneid einen kompetenten Neurochirurgen mit 28 Jahren Praxiserfahrung haben, der rational zum Wohl der Patienten abwägt, welche Therapie den größten Erfolg verspricht, und nicht sofort operiert.

Das Gespräch führte Sybille Föll, Freie Journalistin


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