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Drei Symptome, die jeder kennen sollte


Dr. Klaus Pürner über Schlaganfallsymptome und die Notwendigkeit schnellen Handelns

Dr. Klaus Pürner

Ebersberg – "Ein Schlaganfall ist die häufigste Ursache für dauerhafte Behinderung", sagt Dr. Klaus Pürner, "er muss so schnell wie möglich erkannt und behandelt werden." Der Oberarzt an der Kreisklinik Ebersberg, ein Mann der ersten Stunde auf der heuer zehn Jahre bestehenden TEMPiS-Schlaganfall-Station, hat deshalb jüngst das Wissen um die drei wesentlichen Schlaganfall-Symptome bei den Ebersberger Rettungssanitätern aufgefrischt. Auch jeder Landkreisbürger, so der Internist, sollte die Anzeichen kennen.

Frage: Herr Dr. Pürner, warum ist es so wichtig, dass ein Schlaganfall so schnell wie möglich erkannt wird?

Dr. Pürner: Weil der Schlaganfall-Patient mit jeder Minute Hirnsubstanz verliert. Außerdem ist unser Zeitfenster für die Akutbehandlung auf drei bis maximal viereinhalb Stunden begrenzt. In diesem Zeitraum können wir noch sehr viel erreichen, danach ist der Schaden im Gehirn schon zu groß und eine intensive Blutverdünnung nicht mehr wirksam. Die Dauerfolgen des Schlaganfalles sind häufig gravierend. Manchem Betroffenen bleibt dann nur noch der Weg ins Pflegeheim.

Frage: Welches sind die wichtigsten Warnsignale?
Dr. Pürner: Es gibt drei Symptome, die jeder kennen sollte: Wenn eine Gesichtshälfte plötzlich gelähmt oder asymmetrisch wird, wenn der Betroffene undeutlich spricht bzw. die Worte nur schwierig findet, oder wenn einer der waagerecht und mit den Handflächen nach oben ausgestreckten Arme absinkt.

Frage: Was raten Sie Betroffenen oder ihren Angehörigen bei Verdacht auf Schlaganfall?
Dr. Pürner: Unbedingt, wirklich unbedingt und sofort unter 112 den Rettungsdienst rufen. Viele denken, das geht schon wieder von selber weg. Das ist gefährlich. Denn bei zwei Dritteln der rund 400 bei uns jährlich mit Verdacht auf Schlaganfall eingelieferten Menschen bestätigt sich dieser Verdacht. Aber leider kommt nur ein Drittel der Patienten in den so wichtigen ersten drei bis viereinhalb Stunden.

Frage: Warum ist dieses Zeitfenster denn so wichtig?
Dr. Pürner: In der Frühphase des Schlaganfalles können wir den Patienten auf unserer Schlaganfall-Station "TEMPiS" - das steht für "Telemedizinisches Projekt zur integrierten Schlaganfallversorgung in der Region Süd-Ost-Bayern" – mit der Thrombolyse sehr effizient helfen. Dieses Verfahren kann eine medikamentöse Auflösung des Blutgerinnsels im Gehirn erreichen. Die Wahrscheinlichkeit, den Schlaganfall mit weniger Behinderungen zu überleben, kann durch die Thrombolyse um etwa 27 Prozent erhöht werden.

Frage: So erklärt sich auch das Schlagwort "Time is brain", also Zeit ist Gehirn?
Dr. Pürner: Ja, das ist ganz eindeutig so. Unsere TEMPiS-Station bietet aber noch weitere wichtige Vorteile: Über Telemedizin können wir binnen kürzester Zeit und rund um die Uhr Experten aus den Schlaganfallzentren München und Regensburg einbinden. Wir kümmern uns auch um den umgehenden Rehabilitationsbeginn durch unsere speziell auf Schlaganfall spezialisierten Pflege- und Therapie-Mitarbeiter.

Frage: Kann man dem Schlaganfall eigentlich vorbeugen?
Dr. Pürner: Ich empfehle auf jeden Fall regelmäßige Bewegung und eine Ernährung mit gesunder, ausgewogener Mischkost. Die wichtigsten Ursachen für einen Schlaganfall sind Bluthochdruck, hohes Cholesterin, Rauchen und die Zuckerkrankheit. Auch wenn das Risiko für einen Schlaganfall mit dem Alter steigt: Es gibt keine Altersgrenze nach unten, wir hatten auch schon 30-jährige Schlaganfall-Patienten.


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