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Immer mit ganzem Herzen bei der Arbeit


Im Herzkatheter-Labor der Kreisklinik wird untersucht und operiert

Herzkatheterlabor
Krankenschwester Marina Matjanowski zeigt in der linken Hand einen Herzschrittmacher, rechts hält sie einen implantierbaren Defibrillator. Foto: privat

Ebersberg – Herr M. klagt über Schmerzen in der Brust, der Mittfünfziger macht sich Sorgen um den Zustand seines Herzens. Frau S. hat seit zwei Uhr in der Nacht ein Taubheitsgefühl in Arm und Bein auf der rechten Seite. Eine Fachärztin hat die 68-Jährige mit dem Krankenwagen in die Interne Notaufnahme der Kreisklinik Ebersberg bringen lassen. Dort werden an diesem Vormittag neben Frau S. und Herrn M. noch andere Patienten vielfältig untersucht. Verhärtet sich hierbei der Verdacht einer Erkrankung an den Herzkranzgefäßen, bietet das Herzkatheter-Labor eine exakte Darstellungsmöglichkeit des Gefäßzustandes im Herzen.

Das seit 2009 bestehende Herzkatheter-Labor ist eine der vier Säulen der internistischen Diagnostik an der Kreisklinik Ebersberg, wenn es um kardiologische Probleme geht. Unter Gesamtleitung von Chefarzt Dr. Hans Schneider bestehe diese aus der Inneren Notaufnahme, dem Herzkatheter-Labor, dem Ultraschall sowie EKG und Schrittmacher-Ambulanz, erklärt Stationsleiterin Marina Matjanovski. „Zunächst kommen alle zu uns in die Innere Notaufnahme“, fügt sie hinzu, „egal, ob rund um die Uhr vom Notarzt oder den niedergelassenen Ärzten eingewiesen oder ob sie von sich aus kommen.“

Wer auf welchem Wege auch hierher kommt, die Sorge um seine Gesundheit ist sein Begleiter.

Schwester Marina und ihr Team haben die Patienten immer im Blick. Und obwohl es rasch gehen muss, weil in akuten Notfällen jede Minute zählt, spüren die ohnehin angespannten Menschen keine Hektik. Die zwei aufnehmenden Ärztinnen befragen und untersuchen die Patienten intensiv und veranlassen die nötigen diagnostischen Untersuchungen. Frau S. wird mit Verdacht auf einen Schlaganfall oder seinen Vorläufer, die sogenannte TIA (transistorische ischämische Attacke), per Ultraschall untersucht.

Während es sich hier um eine neurologische Thematik im Gehirn handelt, lässt der Brustschmerz von Herrn M. an Angina Pectoris oder einen Herzinfarkt denken. Gemeinsam haben beide Fälle, Hirn und Herz, dass sie an einer Unterversorgung mit Sauerstoff leiden können. Für einen Schlaganfall ist ein Blutgerinnsel im Gehirn ursächlich, beim Herzinfarkt ein verschlossenes Herzkranzgefäß. In beiden Fällen gilt, dass jede Minute bei der Behandlung zählt. Je eher ein Patient kommt, desto besser kann ihm geholfen werden, weil die Ärzte möglichst viel Gewebe retten können.

Für solche Notfälle wie akute Herzinfarkte sind der leitende Oberarzt Dr. Martin Ziegler und seine kardiologischen Oberarzt-Kollegen Dr. Florian Beier und Dr. Christoph Sauer mit dem pflegerisch auf das Herzkatheter spezialgeschulten Team rund um die Uhr gerüstet. Heute haben sie bisher ihr Augenmerk auf die Untersuchungen richten können. Nach einer guten halben Stunde erklärt Dr. Ziegler einer Patientin, dass seine Untersuchung mit dem Herzkatheter keinen akuten besorgniserregenden Befund erbracht hat. Auch sie hatte wie Herr M. über Brustschmerzen geklagt und wies zudem hohe, bisher nicht behandelte Blutdruckwerte auf.

Mit dem Herzkatheder, einem dünnen, über die betäubte Leiste eingeführten Schlauch, hat der Kardiologe ein Kontrastmittel eingebracht, das ihm millimetergenau eventuelle Verengungen an den Herzkranzgefäßen aufzeigt. Der Herzkatheter ist nicht nur Diagnose-, sondern auch Therapieverfahren. Bei großen Engpässen oder Zuständen nach einem Herzinfarkt kann mittels des Katheters die Verengung mit einem Ballon aufgeweitet und dann per Stent, das ist eine im Körper verbleibende, kleine Gefäßstütze aus einem Edelstahlgeflecht, dauerhaft offen bleiben.

Die Ebersberger Kardiologen setzen aber auch Herzschrittmacher ein. „Ein Herzschrittmacher wird nötig, wenn das Herz zu langsam schlägt und dadurch Beschwerden wie Schwindel, Belastungsschwäche, Atemnot, Bewusstlosigkeiten, Stürze auftreten“, erklärt Dr. Ziegler. „Eine Sonderform des Schrittmachers ist der implantierbare Defibrillator, er kann außer einem zu langsamen Herzschlag auch sehr schnelle Herzrhythmusstörungen wie Kammerflattern oder Kammerflimmern behandeln. Er tut dies mit einer schnellen Überstimulation oder einer hochenergetischen Schockabgabe, ähnlich wie Sie das vielleicht von US-Klinik-Serien kennen (Stichwort „wir kriegen ihn“), nur eben von innen über eine Sonde abgegeben und nicht von außen durch eine nette Schwester oder einen attraktiven Arzt“, so Dr. Ziegler. Zum Glück wären solche schnellen Herzrhythmusstörungen selten und beträfen vor allem Patienten mit schlechter Herzfunktion oder nach großen Herzinfarkten. „Dies sind auch die Patienten, die mit solchen Geräten vorbeugend oder nach bereits erlebten beziehungsweise überlebtem Kranheitsereignis versorgt werden“, erklärt der Mediziner, bevor er und sein Team sich wieder ganz den Patienten widmen.

Herzkatheterlabor
Der Herzkatheter wird durch die Leiste eingeführt, Dr. Martin Ziegler von der Kreisklinik Ebersberg ist ein erfahrener Kardiologe. Foto: privat


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