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Von der gemeinsamen Diagnose bis zur gemeinsamen Operation


Interdisziplinäre Zusammenarbeit im Bauchzentrum der Kreisklinik Ebersberg

Dr. Peter Kreissl und Prof. Thomas Bernatik
Der Chirurg Dr. Peter Kreissl und der Gastroenterologe Prof. Thomas Bernatik (v. li.) betreuen gemeinsam Patienten mit Baucherkrankungen. Foto: kk/sf

Die Zukunft im Gesundheitswesen liegt in der „Interdisziplinären Zusammenarbeit“. Eine Kooperation verschiedener Fachbereiche macht nicht nur aus ökonomischer Sicht Sinn, sondern nutzt vor allem den Patienten. Die Kreisklinik Ebersberg erkannte das sehr früh: Bereits 2007 richtete sie ein interdisziplinäres Bauchzentrum ein. Wie die Zusammenarbeit in der Praxis aussieht, erläutern Dr. Peter Kreissl, Chefarzt der Allgemein-, Visceral- und Gefäßchirurgie, und Prof. Dr. Thomas Bernatik, Chefarzt der Inneren Medizin, Gastroenterologie.

Wer wird im interdisziplinären Bauchzentrum behandelt?
Prof. Bernatik: Jeder, der mit Bauchschmerzen zu uns in die Klinik kommt. Meist leiden diese Patienten an einer Darmerkrankung oder Erkrankung des Magens, der Bauchspeicheldrüse, der Gallenblase oder Gallenwege.

Wieso ist bei diesen Erkrankungen eine fachübergreifende Zusammenarbeit wichtig?
Dr. Kreissl: Hinter Bauchschmerzen können lapidare Gründe stecken wie eine Magen-Darm-Entzündung, sie können aber auch lebensbedrohliche Ursachen haben wie beispielsweise ein Darmverschluss, der so schnell wie möglich operiert werden muss. Das heißt, der Gastroenterologe und der Viszeralchirurg, auch Bauchchirurg genannt, müssen beide den Patienten untersuchen, um im Notfall sofort die richtigen Schritte einleiten zu können. Das geschieht in Ebersberg bereits in der Zentralen Notaufnahme, wo die meisten Patienten mit akuten Bauchbeschwerden hinkommen. Dort werden sie immer von Ärzten aus der Inneren und der Chirurgie gemeinsam untersucht.
Auf Grundlage deren Beurteilung bespricht das Team beider Abteilungen das weitere Vorgehen und ob operiert werden muss oder eine konservative Behandlung ausreicht. Das zeigt sich oft erst im Verlauf der Erkrankung.

Gibt es Situationen, in denen Sie auch auf Kollegen anderer Fachbereiche zurückgreifen?
Dr. Kreissl: Wenn wir beispielsweise bei einem Patienten einen Tumor feststellen, wird die Onkologie und Psychoonkologie hinzugezogen, je nach Behandlung und Krankheitsverlauf auch die Radiologie und Strahlentherapie. Bei Erkrankungen, die psychosomatische Ursachen haben, sind wir auf die Hilfe eines Psychologen angewiesen. Kommen Frauen mit Bauchschmerzen zu uns, binden wir die Gynäkologie mit ein. Interdisziplinäres Bauchzentrum bedeutet nicht, dass alles in einem Raum stattfindet. Vielmehr ist fachübergreifendes Denken in den Köpfen aller Mitarbeiter verankert.

Wie sieht die Zusammenarbeit in der Praxis aus?
Prof. Bernatik: Das reicht von der gemeinsamen Frühbesprechung und dem wöchentlichen interdisziplinären Tumor-Board, bei dem mit allen beteiligten Fachbereichen Patienten mit Krebserkrankungen besprochen werden, bis hin zum so genannten „Rendezvous-Verfahren“. Letzteres ist ein chirurgischer Eingriff unter endoskopischer Kontrolle. Der Gastroenterologe führt ein spezielles Instrument mit Kamera, das Endoskop, durch den Mund, After oder einen kleinen Schnitt in den Körper ein, das aufgenommene Bild wird auf einem Computerbildschirm wiedergegeben. Dies ermöglicht dem Chirurgen auch an schwer einsehbaren Stellen, wie sie im verschlungenen Darm vorkommen, exakt zu operieren.
Dr. Kreissl: Ein weiteres Beispiel: Wenn nach schweren Operationen Komplikationen auftreten wie die Bildung von Abszessen oder Blutergüssen, dann können diese durch ultraschall- oder CT-gesteuerte Verfahren punktiert und zum Abfluss gebracht werden. So ersparen wir dem Patienten eine Wiederöffnung der Bauchhöhle. Das diskutieren wir zusammen mit Kollegen der Intensivstation – eine weitere Interdisziplinarität. Das setzt jedoch Partner voraus, die mit solchen möglichen Komplikationen umgehen können.

Welche Voraussetzungen gibt es außerdem für eine funktionierende, interdisziplinäre Zusammenarbeit?
Dr. Kreissl: Kein Arzt darf nur seine eigenen Interessen verfolgen, sondern muss kompromissbereit sein. Außerdem bedarf es Leitlinien, nach denen gehandelt werden kann. Internisten und Chirurgen denken verschieden. Diese unterschiedlichen Herangehensweisen heißt es auf einen Nenner zu bringen. Dafür gibt es beispielsweise Kongresse, an denen Gastroenterologen und Viszeralchirurgen gemeinsam teilnehmen. Wir haben das Glück, dass wir hier in Ebersberg wunderbar zusammenarbeiten – für den Patienten. Die Bündelung der Kompetenzen führt zur bestmöglichen Versorgung.

Das Gespräch führte Sybille Föll


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